Forschungsberichte

Seit der Entdeckung der Mühlbachquellhöhle im Jahre 2001 wird die speläologische Erforschung dieses Riesenhöhlensystems kontinuierlich fortgeführt.

Inhalt:

Zwischenbericht zur Biospeläologie in der Mühlbachquellhöhle von Christa Locke

Befahrungsbericht vom 1. Mai 2012 von Christa Locke

Im Nordwesten nichts Neues? von Tom Lindner

Hochwasserbefahrung der Mühlbachquellhöhle von Jochen Pesahl

Siphons in der Mühlbachquellhöhle von Martin Queitsch

Befahrungsberichte der Tauchgänge vom 14. Juni und 19. Juli 2015 
von Sabrina und Gerhard

Bericht über die Tauchtour am Samstag, 06.08.2016
von Gerhard Strobel

Bericht über die Tauchtour am Samstag, 06.08.2016
von Michael Kühn

Erstbefahrung, von Michael Kühn am 06.08.2016

Ist ja auch so ein Prestigeobjekt und war für mich immer unerreichbar gewesen – aber plötzlich war sie da die Chance…. Ich kann mich noch an einen Vortrag erinnern, der damals bei der HFGOK gehalten wurde. Ich erinnere mich noch an einen Referenten, welcher mit großem technischen Aufwand Mini U-Boote in die Siphon schickte, um zu schauen wie es weiter geht ….

Heute hat die KGM selber Taucher und eine schlagfähige Truppe und ich betrachte die Einladung durchaus als Anerkennung.

Die Anreise war etwas beschwerlich, da ich mich zuerst durch den Freitagnachmittags Verkehr auf der A5, A8, und der A6 wühlen musste. Was das Navi vorerst mit 3:18 Std. bezifferte, waren dann doch ganze 5:00 Std.

Dort angekommen habe ich von Sabrina Huber eine Komplett-Einweisung über die ganze Umgebung bekommen. Dann ging es zum Essen und die einzelnen Mitglieder wurden mir vorgestellt. Um 23:00 lag ich im Hotel im Bett und hatte einen sehr erholsamen Schlaf.

Um 8:00 traf man sich im Haus des Gastes mit kurzer Besprechung, um 9:00 begannen wir uns umzuziehen und die Ausrüstung an die helfenden Hände zu verteilen. Ich war, obwohl alles neu für mich war, recht entspannt, denn immerhin hatte ich die Ausrüstung nach der Beschreibung der Höhle ausgerichtet und mehrfach getestet.

Ca. 10:00 Uhr betraten wir die Höhle über einen künstlich angelegten Stollen, gesichert mit Leitplanken-Segmenten. Ich persönlich habe immer einen Heidenrespekt vor den Leuten, welche die Geduld und Ausdauer haben, solche Stollen anzulegen. Schnell waren wir in der eigentlichen Höhle. Vorbei ging es an dem alten Zugang und immer breiter wurde der Gang. Das erste was mir auffiel, war eine Faltung des Gesteins. Bisher hatte ich solche nur von außenliegenden Felswänden gesehen z.B. in der Schweiz. Das zweite, dass die Höhle in einer Schichtung angelegt sein muss. Das Bachbett in dem wir gingen war eben und vor allem sauber. Kein Lehm kein Schlick – nur Geröll lagen unter unseren Füßen. Stellenweise direkt in den blanken Felsen gewaschen – kein Partikel liegt am Grund und könne die Sicht trüben.

Ein kastenförmiges Profil, ab und an durch einen kleinen Geröllhaufen unterbrochen, und hier und da eine Ansammlung von Tropfsteinen. Der Tross der Helfer ist schnell unterwegs, viel Zeit zum Schauen bleibt nicht. Als nächstes gilt es, einen Wasserfall zu überwinden und, wenn mich mein Gedächtnis jetzt nicht im Stich lässt, kommt anschließend die Stelle, an der „Paddelboote“ verteilt werden… – gar nicht so einfach, und gegen den Strom schon gar nicht. Das muss man üben, wie bei uns in der Blauhöhle, das Paddeln mit den aufgeblasenen LKW-Reifen. Da ich oft stehen kann, entschließe ich mich meist doch zu gehen und freute mich schon jetzt auf das zurücktreiben lassen am Rückweg.

Die Schleifsäcke sind mittlerweile in zwei Lasten-Schlauchboote verteilt und werden von geübten KGM-Höfos im Eiltempo über den Flusslauf gezogen, getragen oder gepaddelt. Irgendwie hatte ich mich auf einen längeren Abmarsch eingestellt und war angenehm überrascht, dass wir nach gerade mal 1,5 Std. am ersten Siphon Richtung Hillbilly-Endversturz standen.

Meine Ausrüstung bestand aus einem Einteiler 8 mm Neopren mit angesetzter Haube, Knieschonern, 2 und 5 mm Neoprensocken übereinander und meinen Canyoning-Schuhen, 3 mm Neoprenhandschuhen, in denen ich auch den Abmarsch machte, etwas warm aber besser als anders herum. Weiterhin eine SM-Harness mit einer 5 l Blase, 3x 4 l mit 200 bar, 2 Backup-Lampen, einer Scurion am Helm als Hauptlicht und meinen ultraleichten Carbon-Flossen.

Ich bekam von Sabrina einen Platz zum Fertigmachen zugewiesen – wie gewohnt etwas schlammig – bis zu diesem Zeitpunkt ungewöhnlich für diese Höhle, für mich aber irgendwie heimisch. 2x 4 l Sidemount, eine 4 l in dem Scheifsack auf den Rücken. Dabei hatte ich noch eine Safetyspool, und meinen ausgesonderten Akkutank, welcher mir als wasserdichtes Transportgefäß diente. Darin waren Werkzeugtool, Ersatz O-Ringe, Ersatzmaske, Essen, Ersatzakkus für alle Lampen.

Taucher waren wir nun noch 5: Sabrina, Dorle, Rainer, Gerhard Strobel und ich. Ich durfte als Erster abtauchen, um die klaren Spione anschauen zu können, gefolgt von Gerhard und dem Rest. Vor mir tat sich ein glasklarer kurzer Siphon auf, kurz darauf ein zweiter. Ausgeleint war er mit 8 oder 10 mm Bergseilen, verankert in gebohrten Spitlaschen, am Anfang und Ende des Siphons, geführt in Schraubgliedern. Die Leinenführung war genial und vor jedem Abtauchen bekam ich eine Einweisung dessen, was mich da gleich erwartete. Zwischen den Siphonen waren Laufstrecken, welche einige wie ich mit angelegtem Gerät gingen. Andere benutzten ein Schlauchboot, um die Ausrüstung über die lange Strecke zu transportieren. Bis auf eine waren die Strecken eigentlich nicht sehr lang. Das Durchtauchen machte richtig Laune, vor allem weil ich als erster alle Siphone bei allerbesten Bedingungen sehen konnte. Ab Siphon 3 wartete ich immer auf Gerhard und so hatte ich beim Zurückschauen einen Wahnsinns-Überblick über den Siphon und Gerhard ebenso eine gute Ausleuchtung. Zwischen zwei der Siphone musste noch weiteres dort deponiertes Material aufgenommen werden und weiter bis zum Biwak transportiert werden. Rainer bohrte Anfang und Ende des 8 Siphons noch weitere Leinenbefestigungen, deren Dübel wir mit Steinen in das Bohrloch trieben. Nach dem 8ten Siphon konnten wir die Tauchausrüstung auf blankem sauberem Fels ablegen und weiter ging es zu Fuß. Zuvor wurden jedoch von Rainer noch alle Flaschendrücke der Taucher abgefragt und notiert.

Das Ziel, der Biwakplatz, war schnell erreicht und die mitgebrachte Ladung abgelegt. Dann verteilten sich die Leute und übernahmen verschiedene Arbeiten, um das Biwak einzuebnen und die Liegefläche so komfortabel als möglich zu machen. Auch die Telefonverbindung zum Ost 1 wurde getestet, was leider nicht funktionierte.

Sabrina zeigte Gerhard und mir noch den Endversturz – ein mächtiger Geröllhaufen, welcher anscheinend von rechts in den Höhlenverlauf gestürzt ist.

Durchaus angebracht hier ein Biwak einzurichten um effektiv an dem Versturz arbeiten zu können!

Alle Arbeiten konnten zwar nicht ausgeführt werden, auch nicht das Abdecken der Liegefläche im Biwak oder das Einrichten eines Koch – und Essplatzes, hier fehlten einfach noch das eine oder andere Werkzeug, z.B. eine Brechstange (um den Esstisch noch etwas zu bewegen 😉  )

Nach der vorgesehenen Zeit machten wir uns fertig für den Rückmarsch – jetzt mit noch weniger Gepäck. Damit ich das nicht unterwegs machen musste (ich hatte nur noch 20% Ladung) wechselte ich noch den Akku meiner Scurion. Dorle und Gerhard gingen schon voraus und sie waren gerade am Abtauchen, als wir am Platz unserer abgelegten Geräte eintrafen. Wir legten unsere Ausrüstung an. Bei Sabrina galt es noch, ein Hochdruckleck am Fini zu beheben. Das konnte mit einmal Festdrehen mit der Hand erledigt werden (schien sich gelockert zu haben oder war nicht fest angezogen gewesen) und dann konnte der Rückweg bei 0-Sicht beginnen.

3 Siphone weiter warteten Dorle und Gerhard auf uns – sie waren der Meinung dass da mehr verschmutztes Wasser kommen müsste, wenn wir tauchen – ich wertete es mal als Kompliment – , und sie hätten sich Sorgen um uns gemacht.

Eine Stunde schneller als der Zeitplan uns vorgab waren wir zurück und wurden von den unzähligen Helfern empfangen.

tauchtour1In aller Ruhe verpackte ich meine Ausrüstung wieder in meinen Schleifsack und konnte ihn an einen der Helfer übergeben, und etwa genauso schnell wie wir hineinmarschiert waren, ging es zurück zum Ausgang. Der Abschluss, mit einer üppig ausgestatteten Vesperplatte sollte nicht unerwähnt bleiben! Einen Berg Essen, welchen ich als unbezwingbar ansah, haben ca. 20 Höhlenforscher in ca. 20 min aufgegessen… J

Fazit: Eine sehr interessante Höhle, eine gut organisierte Tour mit einer hochmotivierten Truppe! Würde dort gerne hin und wieder weiterhelfen, wenn meine Hilfe gewünscht wird.

Michael Kühn

 

 


tauchtour2Hallo KGM,

hier kommt mein subjektiver Bericht über die Tauchtour am Samstag, 06.08.2016:

Nach einer unruhigen Nacht war ich am Samstag um 8.00 Uhr in Mühlbach. Dort empfingen mich schon viele Kollegen der KGM. Gut, dass ich zum Vorgespräch am Freitag schon da war, so kannte ich unseren Begleiter Michael Kühn schon.

Nach einigen Planungsgesprächen wurde dann eingeschlazt. Da ich nicht so genau auf die Uhr geschaut habe, kann ich nicht sagen, wann wir dann eingefahren sind. Der Weg zum Ost1 war schnell bewältigt und dank der vielen Helfer war ich entspannt und gut ausgeruht dort. Auch das Aufrödeln meiner Ausrüstung ging schnell und unkompliziert. Also setze ich mich hin und atmete meinen Puls runter.

Wir hatten beschlossen, dass Michael und ich voran tauchen um die beste Sicht zu haben.
Michael voraus in die ersten zwei Siphone, war eine gute Sache, so konnte ich seinem Lampenschein gut folgen. Auch hatten wir wirklich gute Sicht.

Im Ost3 angekommen, tauchte Michael recht schnell voran, so dass ich ihn nicht mehr sehen konnte. Nach dem Briefkasten kam eine weite Unterwasserstrecke. Dort hatte ich plötzlich ein unbekanntes Gefühl. Leichte Panik stieg auf, ich wusste nicht, wie weit das noch so geht. Also hielt ich kurz inne um mir die Umgebung anzusehen. Ich drehte mich einmal und leuchtete den Gang aus. Alles war wie beim letzten Mal und ich konnte mein Vertrauen in mich wieder herstellen. „Jetzt aber raus hier“, dachte ich und bemühte mich schnell voran zu kommen. Als ich auftauchte war Michael an der Auftauchstelle und leuchtete ins Wasser. Das war mir sehr willkommen. Ich bat ihn, beim nächsten Siphon etwas langsamer zu tauchen, damit ich ihn sehen konnte.

Nach dem „Vierer“ legte ich meine Stage-Flasche mit 100 bar ab und schraubte den Atemregler an die zweite Doppelflasche. Sechs Kilogramm weniger auf dem Buckel waren deutlich zu spüren und taten gut. Das hat dann in den weiteren Siphonen gut geklappt und ich bekam keine Beklemmungen mehr.

Im sechsten Siphon hatte ich etwas Schwierigkeiten mit dem Druckausgleich. Schmerzen im Ohr zeigten mir, dass noch mehr Ausgleich nötig war, also blies ich gleich mehrmals in die zugehaltene Nase und alles war gut. Auch die Engstelle war schnell überwunden. Ich hielt mich an Rainers Rat und drehte mich auf die Seite. Ruckzuck war ich durch.
Der siebte und achte Siphon waren schnell bewältigt und das Ablegen der Ausrüstung war befreiend. Ohne Tauchausrüstung gingen wir den Gang bis zum Biwak. Die Landschaft ist dort sehr zerklüftet, bizarre Felsgebilde ragen in den Gang und ich kam mir vor wie auf dem Mond. Dann stellte uns Sabrina das Biwak vor: ein kuscheliger, erhöhter Unterstand mit Sandboden und ausreichend Platz für vier Leute zum Liegen. Ich buddelte etwas im Sand, um die Fläche mehr zu ebnen.

Dann folgte die Besichtigung des Hillbillie-Verbruches: Schwierige Sache, den irgendwann zu knacken, aber es kommt jede Menge Wasser durch. Offensichtlich hat ein Verbruch, von der Seite kommend, alles blockiert. Es sind viele recht große Steine drin, so dass das Wasser genug Durchlauf hat. Alles sah recht instabil aus.

Inzwischen hatte Rainer mit Getöse das Telefon an die Höhlenwand geschraubt und die Antenne ausgehängt. Wir befestigten (mühsam) die Antennenschrauben. Danach wälzte ich Martins Bedienungsanleitung (sehr gut!). Dann nahm ich das Langwellen-Telefon in Betrieb und ging dabei nach Martins Anweisungen vor. Viele Schalterstellungen wurden ausprobiert, aber es kam immer nur ein „Tackern“ oder „Krächzen“ durch den Kopfhörer. Auch der Lautsprecher brachte nicht mehr. Eine große Menge „Call“-Impulse bei verschiedenen Einstellungen brachten auch keinen Erfolg, also schraubte ich die Deckel wieder drauf.
Der heiße Tee von Rainer tat richtig gut und sogar die Müsliriegel schmeckten ausnahmsweise mal gut (der Hunger treibt’s rein). Dann wieder Aufbruch. Dorle bot mir an, mit ihr voraus zu tauchen um wenigstens noch etwas Sicht zu haben. Das klappte alles recht gut. Mit nur 20 bar Verbrauch durch den Vierer entschloss ich mich, die Stage-Flasche nicht mehr einzusetzen. Ost3 hatte noch etwas Sicht, ca. einen Meter. Danach waren der Zweier und der Einser ohne Sicht und ich freute mich über die hervorragende Leinenverlegung. (Bloß nicht loslassen!)
Als ich dann am Ost1 endlich als erster auftauchte, freute ich mich riesig über die Menschenansammlung. Alles jubelte und klatschte und ich musste erst mal einen Schlachtruf ausstoßen.
Schnell war dann alles abgerödelt und verstaut. Viele helfende Hände kamen von allen Seiten, das war echt super! Raus geht es ja immer schneller, aber meine Kräfte waren schon sehr am Ende. Die Schlepperei hat mich schon sehr beansprucht. Umso schöner dann als erster aus der Höhle heraus und in die warme Abenddämmerung zu kommen. Alles in allem eine gelungene Tour und trotz aller Bedenken in der Nacht zuvor lief alles wie am Schnürchen.
Ganz herzlichen Dank an alle Helfer. Ihr habt Wunderbares geleistet, ohne Euch wäre das so nicht möglich gewesen. Vielen Dank auch an Michael Kühn, der mir immer wieder die Siphons ausgeleuchtet hat und mir damit Sicherheit gab. Auch alle Taucher haben sich um mich gekümmert und haben immer wieder nach meinem Befinden gefragt. Das war sehr hilfreich. Ihr seid ein SPITZEN-TEAM und ich bin froh und stolz dazu zu gehören!

Heute am Dienstag ist der Muskelkater verschwunden. Aber das Grinsen krieg ich noch lange nicht aus dem Gesicht.

Herzliche Grüßetauchtour3
Gerhard

—————————————–
Gerhard Strobel
Megmannsdorfer Weg 7
93336 Altmannstein Pondorf

 

Befahrungsbericht vom 14. Juni 2015

Am 14. Juni tauchten Gerhard Winterstein und ich zum Hillbilli-Versturz. Als wir auf dem Weg dorthin, durch den Ost 7 tauchten, zeigte ich Gerhard eine Felsbrücke unter Wasser, die mir schon bei meinem ersten Tauchgang zum Hillbilli aufgefallen war. Die Sicht war an dem Tag sehr gut, so konnten wir uns in dem sehr großen Siphon umsehen. Nach dem kleinen Ost 8 legten wir unser Tauchgerödel ab und machten uns auf dem Weg zum momentanen Endpunkt. Wir schossen ein paar Bilder und Gerhard begutachtete den Verbruch eingehend und kam zu dem Urteil, dass er daran arbeiten könnte. Anschließend machten wir uns auf den Rückweg. Da ich an diesem Tag zum ersten Mal einen kurzen Shorty unter dem Neo trug, hatte ich leider auf dem Rückweg nicht so viel Bewegungsfreiheit und war dadurch etwas eingeschränkt. Auf Grund dessen, kamen wir mit einer Stunde Verspätung am Ost 1 an. Unsere Rückholmannschaft wartete schon ungeduldig. Wir entschuldigten uns für die späte Ankunft und tauschten unsere Eindrücke mit ihnen aus.
Ein paar Tage später analysierten Gerhard und ich, zusammen mit der Vorstandschaft die Felsbrücke im Ost 7 und beschlossen, sie im nächsten Tauchgang anzutauchen und näher anzusehen.
Vielleicht geht der Hauptgang ja im Siphon weiter?

Befahrungsbericht vom 19. Juli 2015
Eigentlich war der Tauchgang für den 18. Juli geplant. Leider rief mich Gerhard einen Tag vorher an, dass er am Folgetag arbeiten müsse. Da schon fleißige Träger für den Tag zugesagt hatten, fuhr ich am Vormittag nach Mühlbach und verteilte mein Equipment. Ich hatte mir vorgenommen in den Ost 7 mit zwei vollen 4l Flaschen abzutauchen. Dadurch war es dann doch leider etwas mehr zu schleppen. Ein herzliches Dank nochmal an Dieter, Manfred, Alex, Gerhard S., Steffen und Dorle für‘s tragen helfen!!!

Tauchgang am 19. Juli:
Treffpunkt war um 8 Uhr im Haus des Gastes. Das schöne Wetter und der klare Bach, versprachen wieder eine tolle Sicht beim Tauchen. Nach kurzem Frühstück und Besprechung der Alarmzeit, gingen Gerhard und ich aufgerödelt zum Höhleneingang. Dieter schoss noch ein paar Bilder, auf denen wir aussehen, als ob wir gerade aus der Höhle kämen. Weiter ging es gemütlich zu zweit, mit jeweils einem Schleifsack, zum Ost 1. Dort angekommen packten wir unsere tausend Sachen aus und fingen mit dem Zusammenbauen an. Beim Aufdrehen von Gerhards Ventil zischte es plötzlich, er hatte beim zusammen schrauben den O-Ring an einer 1. Stufe verloren. Der war natürlich im Wasser nicht mehr auffindbar, konnte aber mit einem O-Ring aus der Ersatzteildose wieder ersetzt werden. Wir tauchten gegen 12 Uhr mittags ab. Die Sicht war super; nur der Weg zwischen den Siphonen war hart, mit fast 42kg am Rücken. Ich hatte an Flaschen 3x4l und 1x3l dabei. Dazu 8kg Blei, 3 Regler, 4 Backup-Lampen mit Ersatzakkus, 2x Schneidewerkzeug, Hilfsleine, Schmerzmittel, Rettungsdecke, Kabelbinder, Ersatzmaske, Blindstopfen, O-Ringe, Ersatz-Mundstück, 4 Corny Riegel, 2 Caprisonne, Wärmepads, Werkzeug und Ersatz-Kontaktlinsen. Das hört sich jetzt vielleicht viel an, zum einen passt es aber alles in eine Gürteltasche, zum anderen hat dieser Tauchgang gezeigt, dass es wichtig ist, alles für den „Notfall“ dabei zu haben! Die 3l Stage legte ich hinter dem Ost 3 ab. Ich hatte nur 60 bar verbraucht. Es ging weiter. Beim Durchtauchen durch den Ost 6 fing dann plötzlich meine Caveman-Lampe an zu flackern. Komisch, eventuell war ein Stecker locker oder der Akku fast leer. Wir machten auf einem Verbruchhaufen Pause, der zwischen Ost 6 und Ost 7 liegt. Ich tauschte den Akku und von da an war meine Lampe komplett aus! Ich ärgerte mich und tauschte wieder zurück zum „flackernden Licht“. Das hielt noch ca. 20 Minuten, dann war meine Hauptlampe wirklich „tot“. Nur gut das man ja noch zwei Handlampen auf seinem Helm hat und zusätzlich hatte ich noch zwei Handlampen in der Tasche dabei. Trotzdem war es ärgerlich und leider war es kein so schönes Licht, als das einer Stirnlampe. Ich tauschte eine Flasche gegen eine volle aus und Gerhard machte sich auch bereit zum Abtauchen. Wir vereinbarten, dass Gerhard zuerst reintaucht, da er eine Tarierung hatte und mich dann „abholt“.  Ich hatte meine Tarierung am Ost 1 liegen lassen, weil ich in Mühlbach bislang immer ohne Tarierung tauchte und mich, da ich 2x4l Sidemount montiert hatte und die 4l und 3l zusätzlich in einem Schleifsack mitführte, nicht ganz so wohl fühlte. Er tauchte also vor. Ich wartete kurz, tauchte dann nach und leider war die Sicht schon nicht mehr so gut. Ich konnte aber noch erkennen, dass er gerade dabei war seine Leine an die Hauptleine anzuknüpfen und beschloss zurück zu tauchen, um nicht unnötig Luft zu verbrauchen. Hoffnungsvoll wartete ich im Wasser vorm Ost 7 als nach kurzer Zeit sein Licht zu sehen war. Er blickte mich an und machte einen Daumen nach oben und dann gleich nach unten. „Das ganze endet in einem Schlot, nicht befahrbar.“ 🙁

Hier Bericht von Gerhard:
Ich knüpfe mal an der Abtauchstelle in den 7er Syphon an. Wir haben uns wie von Sabrina schon beschrieben tauchklar gemacht und auf „Daumen runter“ bin ich in den Syphon abgetaucht. Die Sicht war hervorragend, in der linken Flasche hatte ich noch ca. 210 bar und die rechte war mit 310 bar noch proppevoll, ich hatte auf dem Weg durch die 6 vorhergehenden Syphone nur aus der linken Flasche geatmet, um im 7er nicht wechseln zu müssen. Kurz nach Syphoneingang erkannte ich 3 hintereinander folgende lufterfüllte Kuppeln an der Syphondecke. Die ersten beiden Luftglocken habe ich angetaucht und als relativ kleinräumig abgehakt, die 3.ließ ich dann aus…mein Ziel war ja der Brückenbogen weiter östlich im Syphon. Bei unserem Tauchgang am 14.Juni zum Hillbilli, hatte mich Sabrina auf diese Brücke hingewiesen und ich hatte im Strahl meiner starken Tanklampe eine silbrig glitzernde Wasseroberfläche hinter dem Brückenbogen ausgemacht. Gut austariert schwebte ich durch den langgezogenen Gang und der kesselförmige Raum mit dem Brückenbogen war schnell erreicht. Die Leine verläuft hier dicht über Grund und so ließ ich mich zu Boden sinken und klipste einen „Arrow“ (Richtungspfeil) auf die Führungsleine um bei der Rückkehr von meiner abzweigenden Leine zur Hauptleine keine Zweifel an der einzuschlagenden Richtung aufkommen zu lassen. Bei einem Blick zurück, war von Sabrina durch das mittlerweile aufgewirbelte Sediment nur ein verwaschener Lichtfleck zu sehen. Neben dem Arrow befestigte ich den Karabiner meines Reels an der Leine, gab etwas Luft in mein Wing und schwamm langsam in Richtung Felstor. Durch das Tor hindurchgekommen blickte ich nach Norden in eine etwa 1,5m breite Kluft die jedoch schon nach 5-6m zu Ende war. Doch 6m über mir schimmerte eine Wasseroberfläche! Langsam tauchte ich auf, um möglichst wenig Sediment aufzuwirbeln. Die Auftauchstelle entpuppte sich als 6-8m lange und ca. 1,5m breite Kluft die sich nach oben in einen hohen, aber unpassierbaren Schlot fortsetzt! Ich machte noch ein paar Aufnahmen mit meiner  Kamera, dann tauchte ich wieder ab. In dem Kessel unter mir hatte sich, durch ein Kehrwasser, dass aufgewühlte Sediment gleichmäßig verteilt und ich war vollkommen auf meine mitgeführte Leine angewiesen. Bei der Rückkehr zur Hauptleine war absolut Null Sicht und es bereitete mir einige Schwierigkeiten, den Karabiner meines Reels wieder zu lösen. Der Rückweg zum Einstieg ging trotz einiger Felskontakte recht flott voran und nach kurzer Zeit tauchte Sabrinas Licht aus der trüben Suppe auf!

Ende des Berichts von Gerhard, zurück zu Sabrina…
Etwas bedrückt machten wir uns auf den Rückweg. Bedingt dadurch, dass es im Ost 7 sehr lehmig ist, war die Sicht beim zurücktauchen Null! Im Ost 4 passierte mir dann das Horrorszenario jedes Höhlentauchers – aus irgendeinem Grund ist mir die Leine aus der Hand geflutscht. Ich hab mich sofort an einer Felsnase festgehalten, die ich mit der rechten Schulter berührt hatte, um nicht von der Strömung irgendwohin befördert zu werden. In der Theorie lernt man natürlich, was man in solch einer Situation tun sollte, aber wenn man mal wirklich drin steckt, ist das nicht so schön. Ein paar Sekunden „blödes Gefühl“ tauschte ich gegen „klar Denken“ aus und überlegte wo sie sein konnte. Dadurch, dass ich gleich gestoppt hatte, konnte die Leine nicht weit weg sein. Ich versuchte mit meiner rechten Hand die Leine zu ertasten, fand sie aber nicht sofort. So hielt ich mich still, atmete ruhig und tauchte an der Felsnase nach unten. Dort klarte das Wasser kurz auf – und ich hatte die Leine wieder. Gott sei Dank! 🙂 Dann machten wir uns auf dem Weg Richtung Ost 3. Am 3er angekommen nahm ich die abgelegte Stage- Flasche wieder auf  und Gerhard  checkte seine Finimeter. Was für ein Schreck! Das linke Finimeter stand auf null! Abgeblasen? Eine Kontrolle seiner Ventile zeigte, dass er sich ein Ventil, anscheinend durch häufigen Kontakt mit dem Fels, zugedreht hatte. Nach so vielen erschreckenden Situationen waren wir sehr froh, gegen 18 Uhr wieder wohlbehalten am Ost 1 aufzutauchen. Wir packten alles zusammen und verließen mit drei vollen Schleifsäcken um 20.30 Uhr die Höhle. Die Besucher des Quellenfestes ließen sich von zwei abgekämpften und dreckverschmierten Höhlenforschern nicht aus der Ruhe bringen.

 

 

 


Zwischenbericht zur Biospeläologie in der Mühlbachquellhöhle von Christa Locke

Seit dem 1.Mai 2012 arbeite ich an der Erfassung des biospeläologischen Inventars der Mühlbachquellhöhle. Stefan Zaenker, der Leiter des Biospeläologischen Katasters in Hessen hat sich freundlicherweise bereit erklärt, das Projekt zu unterstützen. Er hat meine Proben aus den Barberfallen sowie die Handaufsammlungen vorsortiert und soweit möglich bestimmt. Diese Ergebnisse liegen in Form einer vorläufigen Taxaliste vor.

tier-1

meta menardi

Gleich hinter der Metalltür, die den Zugangsstollen von der Außenwelt trennt,  hat sich eine Meta menardi, eine Große Höhlenspinne, niedergelassen. Bis 1,5 cm groß kann die Art werden und ist an den zwei dunklen Flecken auf dem Hinterleib und dem glänzenden, kugeligen Körper gut zu erkennen. Metas können zwei bis drei Jahre alt werden. 2012 war sie ‚Höhlentier des Jahres‘. Der Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher e.V. will mit dieser Aktion die Öffentlichkeit auf die kaum bekannte Artenvielfalt in unterirdischen Lebensräumen aufmerksam machen.  http://www.hoehlentier.de

Relativ eingangsnah, dort, wo der Zugangsstollen sich zum natürlichen Hohlraum weitet, an Decke und Seitenwänden saßen Wegdornspanner, auch Höhlenspanner genannt. Triphosa dubiata ist ein Falter, der man in fast jeder Höhle, aber auch in Felsspalten und Straßenunterführungen findet. Die Nachtfalter werden bis 4 cm groß, sind gesellig, grau-silbern mit Wellenmuster, sitzen flach an der Wand und bilden Dreiecke mit den Flügeln. Hier habe ich kein Exemplar gesammelt, die Tiere sind allgemein gut bekannt und erforscht.

tier-2

Wegdornspanner

 

Zoologisch lässt sich der Wegdornspanner wie folgt einordnen:

Klasse Insecta (Insekten)
Ordnung Schmetterlinge (Lepidoptera)
Familie Spanner (Geometridae)
Unterfamilie Larentiinae
Gattung: Triphosa
Art Triphosa dubiata (Wegdornspanner)

Im Sommer fanden sich im gleichen Bereich eine stattliche Anzahl von Rheinschnaken (Limonia nubeculosa). Sie gehören zur Familie der Stelzmücken und werden bis 10 mm groß. Charakteristisch sind  sehr lange Beine und gepunktete Flügel. Diese Mücken sind in den Sommermonaten übliche und weitverbreitete Höhlenbewohner. Sie treten in den Eingangs- und Übergangsbereichen oft massenhaft auf.

tier-3

Rheinschnake

 

Einige Meter tiefer in der Höhle wurde die erste Barberfalle platziert. Das verwendete Marmeladenglas wurde zu ca. einem Drittel mit Spiritus gefüllt, um die Objekte zu konservieren. Weiter Fallen wurden im Jenseitsgang, im Didgeridoo und am Abzweig zur Königskammer eingegraben.

Hier im eingangsnahen Bereich fand sich die meiste Vielfalt. Ich fing unter anderem einen Tausendfüsser, genauer gesagt Unterklasse Doppelfüsser (Diplopoda). Sie haben – im Gegensatz zu den Hundertfüssern (Chilopoda) – zwei Beinpaare an jedem Segment. Es fanden sich auch Scheufliegen und die oben beschriebene Stelzmücken.

tier-4

phoridae

 

In den Sommermonaten  fielen außerdem zahlreiche Buckelfliegen (Phoridae) und Trauermücken (Sciaridae) auf, die wir auch in den Fallen in allen beprobten Höhlenteilen nachweisen konnten. Beide gehören zur Ordnung der Zweiflügler (Diptera). Buckelfliegen sind kleine, ein bis sechs Millimeter große Fliegen, mit unverwechselbarer Flügeladerung. Der Thorax ist buckelförmig gewölbt. Die Tiere ernähren sich von abgestorbenem, organischem Material.

Natürlich leben auch Springschwänze (Collembola) in der Mühlbachquellhöhle. Auf der Erde gibt es schätzungsweise 50.000 Arten von Collembolen. Sie ernähren sich von zerfallenden, pflanzlichen Stoffen, von Exkrementen oder Aas.

Stefan Zaenker hat alle  gesammelten Tiere bis zur Ordnung bestimmt, viele davon sogar bis zur Familie und einige bis zur Art. Die Lücken und Fragezeichen in der Taxaliste werden von entsprechenden Experten, an die die Proben zur endgültigen Klassifizierung gesandt wurden, noch geschlossen. Ich bin schon sehr gespannt, aber bis wir diese detaillierten Ergebnisse erhalten, kann es aber noch eine ganze Weile dauern. Die ersten Sammlungen erfolgten 2004 (Proasellus cavaticus),  das Datum der Bestimmung war 2007 und 2008. Also Geduld!

Die Barberfallen werden erstmal eingemottet; aber ich werde bei Befahrungen weiterhin Proben sammeln und versuchen, mehr über den Wurm, der so offensichtliche Spuren hinterlässt, herauszufinden.

Taxaliste

tabelle1

 

tier-5

meta menardi und bolitophilidae

 

An dieser Stelle nochmals vielen Dank an Stefan Zaenker, der mir mit  seinem Fachwissen, seiner Zeit und Geduld geholfen hat und an meine Vereinskameradin Sabrina Huber, die mich beim Aufstellen und Einsammeln der Barberfallen unterstützt hat.

 

Quellen:
Stefan Zaenker – Biospeläologie – eine Wissenschaft für Höhlenforscher
Löhr, Prescher & Zaenker – Checkliste hessischer Buckelfliegen
Wikipedia
Flyer ‚Höhlentier des Jahres‘

 

 

 

 

Befahrungsbericht vom 1. Mai 2012

das Ziel der heutigen Befahrung bestand  zum einen in Vorarbeiten bzw Überprüfung der Möglichkeiten zum Beseitigen des gefährlichen Verbruchs in der Bröselhalle, der uns momentan am Weiterkommen hindert, zum anderen im Aufstellen einiger Barberfallen. Nebenbei wurden verfallene Medikamente in der Notfalltonne im Hauptgang ausgetauscht.
Außer Vermessen, hydrologischer und geologischer Untersuchungen sollte eine Höhle auch biospeläologisch erforscht werden – immerhin ist sie auch Lebensraum – und um seine Bewohner zu schützen, müssen wir sie erst mal kennen lernen.

Die Biospeläologie ist eine relativ junge Wissenschaft, die sich zum Ziel gesetzt hat, das Leben untertage zu erforschen. In den gemäßigten Klimazonen haben neben der ewigen Dunkelheit und der hohen Luftfeuchtigkeit vor allem kalte Temperaturen und ein geringes Nahrungsangebot einen großen Einfluss auf die Besiedelung des unterirdischen Lebensraums. Die Erfassung des Arteninventars von Höhlen und künstlichen Hohlräumen ist relativ kompliziert, da dieser Lebensraumtyp eine Vielzahl schwer zu bestimmender Arten beherbergt. (Zitat: karstinstitut.org)

Bisher wissen wir nur vom proasellus cavaticus, einer kleinen weißen Höhlenassel, die in wasseraktiven Teilen anzutreffen ist. Sie wird 5 – 8 mm groß, hat einen weißlichen, fast durchscheinenden Körper und besiedelt unterirdische Gewässer wie Höhlenbäche oder auch das Grundwasser. Kommt aber auch oberirdisch in Quellen vor. Dort lebt sie unter Steinen. Nahrungsgrundlage sind Bakterienrasen, sogenannte Biofilme.

 

Der Eingang zur MBQH ist ja ein künstlicher Stollen. Heute haben sich da keine höhlentypischen Bewohner eingenistet. Nur eine kleine Spinne sitzt hinter der Tür und eine verirrte Mücke schwirrt planlos herum.
Weitere Lebewesen wurden bei der Begehung nicht gefunden, allerdings fanden wir  Spuren, die wahrscheinlich von einem Ringelwurm stammen.

Das ist zumindest die Meinung des Experten, der allerdings nur ein Foto gesehen hat. Ich schaufle eine großzügige Portion Lehm in einen mitgebrachten Behälter, schön vorsichtig vom Rand, um in der Höhle so wenig wie möglich zu zerstören. Wahrscheinlich hab ich nicht tief genug gegraben, denn vorsichtiges Sieben und Waschen des Lehms förderten leider nichts zutage … ich werde es nochmal versuchen!
Bei einer früheren Befahrung fiel den Forschern ein wurmartiges Wesen, vielleicht ein Strudelwurm – oder jener Ringelwurm, auf. Leider sind diese Viecher meist recht schnell und wendig; nicht mal ein ordentliches Foto konnte gemacht werden.
Heute ließ er sich nicht blicken …

Die Fallen wurden an drei strategisch vielversprechenden Stellen eingegraben und ich hoffe, daß wir in vier Wochen mehr wissen

       

Auch unsere anderen Aufgaben haben wir zufriedenstellend erledigt. Das verfallene Medikament in der Notfalltonne am alten Bootshafen wurde ausgetauscht.
Weitere Päckchen warten, wasserdicht verpackt und mit eingeschweißter Gebrauchsanweisung versehen, auf die nächste Forschergruppe, die sie mitnehmen sollen in die Notfalltonnen in den tagfernen Gebieten hinter dem Maulwurfsiphon und am Ost 1.

Auch im Verbruch sind wir ein Stück weiter gekommen.
Zufrieden, aber hungrig verlassen wir die Höhle am Spätnachmittag und begeben uns direkt zum Wirt. Naja – fast direkt, denn vorher werden verschmutze Schlaze, Neos und Ausrüstungsteile – auch Menschen – im Mühlbach gereinigt. Dieses seltsam anmutende Ritual wurde von ein paar Touristen gleich geknipst, die anlässlich des Maibaum-Aufstellens zugegen waren – die Einheimischen haben sich an dieses Bild schon gewöhnt
So – jetzt aber rein in trockene Klamotten und nix wie hin in zu Bier und Brotzeit!

^ nach oben

–––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––

 

Befahrungsbericht:

„Im Nordwesten nichts Neues?“

Die Schächte im Überraschung-Ei und im Neumonddom der Mühlbachquellhöhle

Von Tom Lindner / 18.01.2012

Innerhalb der Mühlbachquellhöhle fallen zahlreiche Schlote und Kamine auf, welche vom Hauptniveau der Höhle nach oben führen. Martin Queitsch bemerkte anlässlich einer Schachtbefahrung im Nordgang einmal treffend, dass es in der Mühlbachquellhöhle wohl mehr Schächte gäbe als in der restlichen Frankenalb. Verglichen mit anderen fränkischen Schachthöhlen stellen die Schlöte und Kamine in der Mühlbachquellhöhle noch eine ganz andere Herausforderung dar, denn alle großen Schächte führen ausnahmslos nach oben und können daher nur mit erheblichem Material und Zeitaufwand von unten befahren werden.
Die Erforschung eines einzelnen Schachtes kann durchaus mehrere Forschungstage (verteilt auf mehrere Touren) in Anspruch nehmen. Aufgrund der großen Anzahl und der zeitraubenden Erforschung und Dokumentation gibt es auch 11 Jahre nach Entdeckung der Mühlbachquellhöhle unerforschte Schlote mit einem großen Fragezeichen.
Spekulationen und Vermutungen zu möglichen Verbindungen zwischen den Schächten und den Dolinen auf der Hochfläche weckten damals das Interesse der Karstgruppe Mühlbach, die Kamine und Schlote über dem Höhlenbach genauer zu erkunden.
Bereits kurz nach der Entdeckung der Höhle wurden die Kamine im Nordgang wie der Augentropfenschacht, der Abrakadabraschacht im Nordosten und Schächte im Osten, wie der Ikarusschlot befahren. Über dem Augentropfenschacht konnte ein kleinerer horizontaler Höhlenteil im Massenkalk erreicht werden. Größere Räume oder gar eine mögliche Verbindung nach oben oder zu anderen Höhlenteilen wurden jedoch nicht entdeckt.
Im Nordwesten unternahmen die Gebrüder Queitsch mit Armin Schnobrich, Steffen Hoffmann, Christoph Gropp und Rainer Bornschlegel im Jahr 2006 die erste den ersten Seilaufstieg im Überraschungs-Ei. Sie erreichten in einer Höhe von 15m über dem Boden eine horizontale Etage und konnten einen kleineren Parallelschacht befahren.

Ab dem Jahr 2007 begannen dann Rainer Bornschlegel und ich systematisch die noch unbekannten Kamine und Schächte im Nordgang und im Nordosten der Höhle zu erforschen und zu dokumentieren.
Die Kamine im Nordgang hinter dem Maulwurfsiphon hatten uns nicht den Durchbruch in eine erhoffte obere Etage der Mühlbachquellhöhle beschert: Ab einer Höhe von ca. 20 m über dem Bachniveau erreichten die Schächte die oberen Schichten des Malm Gamma (Crussoliensis Mergel) und verzweigten sich dort in der Regel in kleinräumige, stark verschlammte Horizontalgänge welche dann nach wenigen Metern mit Sedimenten plombiert waren.

Eine Befahrung des hängenden Verbruchs im Kamin der Riesenklufthalle am nordöstlichen Höhlenende wirkte erfolgversprechend: Der Verbruch bestand aus riesigen Blöcken aus dolomitisierten Malm Delta und wenn diese Blöcke aus den oberen Gesteinsschichten ihren Weg bis auf das Hauptgangniveau der Mühlbachquellhöhle finden konnten, musste zumindest theoretisch ein Gangprofil der entsprechenden Größe noch oben existieren. In der Praxis mussten wir allerdings mitten im Verbruch einsehen, dass ein Durchstieg viel zu gefährlich war und daher wurde die Befahrung aus Sicherheitsgründen abgebrochen.

Die Erkundung eines Balkons in der Halle der stillen Trommler führte zwar zur Entdeckung einer stark versinterten und sehr schönen Querkluft – leider betrug die Ganglänge aber nur wenige Meter.

Deshalb konzentrierte sich unsere Hoffnung ab dem Herbst 2009 auf den Nordwesten der Mühlbachquellhöhle. In diesem Teil der Höhle liegen die beiden Schachthallen des Überraschungsei 1 und 2 sowie der Neumonddom. Da der Nordwesten der Höhle bis an den Rand der Pestenreiner Mulde reicht, vermuteten wir eine mögliche Verbindung über Schächte und Schlote zu einer oberen Etage oder zu den Dolinen innerhalb des Poljes. Unsere Vermutung wurde durch die Auswertung der Loggerdaten aus dem Nordwest-Gang der Höhle gestärkt. Die Kurven der Temperatur und der Leitfähigkeit ließen folgern, dass die Schmelzwässer sehr schnell und ungefiltert in den Untergrund eindringen konnten. War es möglich durch die Schächte dem Weg des Wassers zu folgen?

Wir begannen im September 2009 mit einer ersten Erkundungstour in den Nordwesten. Als größtes Hindernis bei Unternehmungen in diesen Höhlenteil erwies sich der lange Weg mit all dem notwendigen Gepäck (SRT – Ausrüstung, Seil, Bohrmaschine und Verpflegung). Bis zum Nordwest-Siphon kamen wir zwar noch relativ schnell voran, aber der Verbindungsschluf zum Überraschungs-Ei entpuppte sich mit einem 20 kg Schleifsack als wahrer Alptraum:

Zunächst geht es annähernd waagrecht durch im Schluf stehendes Wasser und über einzelne Blöcke. Dann kriecht man durch eine Pfütze in eine ca. 30° ansteigende Röhre, die an der Sohle allerdings so schmal ist, dass sich garantiert und gerne auch mal öfters der Schleifsack verklemmt. Anschließend muss ein ca. 10 m hoher, enger und glitschiger Kamin erklettert werden – Das Gepäck wird im Kamin hochgezogen und bleibt mindestens einmal irgendwo hängen. Schließlich geht es umständlich über einen Klemmblock und durch einen engen und schlammigen Schluf flutscht man ins Ü-Ei – wenn sich nicht schon wieder der Schleifsack verhängt hat…

Mit unserem Gepäck war die Befahrung des Verbindungsschlufes eine unmenschliche Schinderei. Zunächst versuchte ich den Sack hinter mir herzuziehen. Nachdem er sich auf 3 m gefühlte 500mal verklemmt hatte, versuchte ich den Sack vor mir durch den Schluf zu schieben – fluchen – Sack nach vorne schieben – Sack klemmt! – nochmal fluchen! – Sack lösen und mit einem lauten Fluch! nach vorne werfen!! – Sack rutscht wieder runter und landet auf dem Helm!!! Die Kommentare und Bemerkungen, die in diesem Höhlenteil oft und laut zu hören sind, braucht man wohl nicht näher erläutern.

Im Überraschungs-Ei war ich fix und fertig. Wir entschieden uns deshalb zu einer Besichtigung, wobei uns natürlich die noch unerforschten Schächte besonders interessierten.
Das Überraschungs-Ei kann man sich als zwei eigenständige Schachthallen vorstellen, die durch einen ca. 20 m langen und flachen Schluf verbunden sind (Ü-Ei 1 und Ü-Ei 2). Die Höhe der Hallen ist beeindruckend und nur schwer zu schätzen. Spätere Messungen ergaben Höhen von 17 – 20 m. Mit einer lichtstarken Lampe können die Schächte gut ausleuchtet werden und am First der beiden Hallen lassen dunkle Löcher eine mögliche obere Etage erahnen. Der Höhlenteil vom Überraschungsei bis zur Lehmtrichterhalle wird nicht vom Nordwestbach durchflossen. Der Boden ist mit Verbruchblöcken und feuchten Lehmsedimenten bedeckt. Zwischen den Verbruchblöcken finden sich auch zahlreiche Flußgerölle mit dem dunklen Überzug, wie sie auch im Bachbett des Höhlenbaches zu finden sind. Einer dieser Steine mit entsprechender Form war übrigens der Namenspatron für den gesamten Höhlenteil. Womöglich bringt der Name auch die Verwunderung der Entdecker Steffen Hoffmann, Ralph Schobert und Manfred Walter am 20.09.2002 zum Ausdruck – weil die Dimensionen der Hallen angesichts des engen Zuganges tatsächlich überraschend sind.

Das fehlende Wasser im Überraschungsei macht jegliche Reinigung des Materials unmöglich. Durch die Befahrung des Verbindungsschlufs ist man vollkommen mit dünnflüssigem Schlamm bedeckt und es ist schwierig mit technischem Gerät oder der SRT – Ausrüstung zu hantieren, ohne diese zu beschmutzen. Je länger man sich dann im Ü-Ei aufhält, desto mehr Lehm und Dreck nimmt der Schlaz und die SRT – Ausrüstung auf und auf dem Rückweg sind die Schleifsäcke dann entsprechend schwerer.

Am 14.01.2006 führten Stefan Glaser, Max Wissak, Werner Jantschke und Steffen Hoffmann eine Geo-Tour ins Überraschungs-Ei durch, um die geologischen Schichten aufzunehmen. Hierbei fiel an der Westwand des Ü-Ei 1 ein Fenster auf, das den Zugang in einen möglichen horizontalen Gang erwarten ließ. Am 13.08.2006 begannen Martin und Robert Queitsch mit Armin Schnobrich und Steffen Hoffman den Seilaufstieg. Bei einer weiteren Tour am 16.12.2006  erreichte Martin Queitsch in Begleitung von Christoph Gropp, Steffen Hoffmann und Rainer Bornschlegel neue Gangteile und einen kleineren parallelen Schacht.

Im Rahmen unserer Erkundungstour stiegen wir an dem von Martin Queitsch installierten Seil auf, um die obere Etage in Augenschein zu nehmen:

In einer Höhe von ca. 15 m wird eine Umsteigstelle an der Westseite der Halle erreicht. Hier öffnet sich an der Westseite der Halle das Fenster, das den Zugang zu dem Parallelschacht und einer weiter ansteigenden Horizontaletage ermöglicht. Ein versinterter Gang führt in westlicher Richtung ansteigend bis in die Schichten des Crussoliensis – Mergel. Leider endet dieser Gang nach wenigen Metern.

Allerdings konnten wir von der ersten Umsteigstelle auch den Deckenbereich der Schachthalle näher betrachteten: An der gegenüberliegenden Ostwand war 5m über uns eine weitere Gangfortsetzung zu erkennen.
Leider war inzwischen unser Zeitlimit erreicht und wir mussten uns wieder auf den Rückweg machen. Wir seilten ab und deponierten einen Teil unserer Ausrüstung im Ü-Ei 1. Auf dem langen und beschwerlichen Rückweg entfernten wir noch einige Klemmlöcke aus dem Verbindungsschluf zwischen dem Überraschungsei und dem Nordwest-Siphon um den künftigen Zugang in den Nordwesten zu erleichtern.

Am 07. November 2009 fand die nächste Tour statt. Martin Rüssler erklärte sich bereit uns zu begleiten und zu fotografieren. Wir entschieden uns, zunächst den weiteren Aufstieg im Ü-Ei 1 einzurichten. Schneller und entspannter als bei der ersten Tour im September erreichten wir das Überraschungsei. Die vormaligen Wegebauarbeiten im Verbindungsschluf und Verteilung der Lasten auf 3 Personen machten sich nun bezahlt. Nach einer kurzen Pause und dem Sortieren und Anlegen der SRT – Ausrüstung stiegen wir der Reihe nach am fixen Seil bis zur 1. Umsteigestelle auf. Dort richtete ich mich mit einem dynamischen Kletterseil für den weiteren Aufstieg her: Das Seil wurde an der Umsteigestelle befestigt. Ich sicherte mich selbst am losen Seil durch ein automatisches Sicherungsgerät (Gri-Gri) das ich an meinem Gurt befestigt hatte. Zudem verwendete ich eine Sicherungsschlinge, die jeweils als Redundanz in den vorletzten Sicherungspunkt eingehängt wurde. Zur Fortbewegung verwendete ich 2 Trittleitern und eine abgenähte Sitzschlinge (Daisy-chain).

Von der Umsteigstelle konnte ich rasch an die gegenüberliegende Ostseite der Schachthalle traversieren und konnte nach weiteren 5 m Aufstieg bereits eine Umsteigstelle an einem großen Block einrichten. Nachdem das Seil fixiert war, folgte Rainer mit den Steigklemmen und baute die von mir zur Fortbewegung gesetzten Spits wieder aus. In der Zwischenzeit machte ich mich auf den weiteren Weg nach oben: Über eine schräge Rampe erreichte ich einen Raum mit einer Grundfläche von ca. 8 * 4m und einer Höhe von rund 3m. Bemerkenswerterweise war der Hohlraum nicht durch einen Lösungsprozess innerhalb des Gesteins entstanden: Wände, Decke und offensichtlich auch der Boden bestanden aus ineinander verkeilten Verbruchblöcken aus Massenkalk unterschiedlicher Größe. Die Zeit war bereits wieder weit fortgeschritten – wir tauschten noch das fixierte Kletterseil durch ein Statikseil aus und verließen anschließend zügig die Höhle.

Da zwischen den Verbruchblöcken dunkle Löcher eventuelle Fortsetzungen versprachen, trieb uns die Neugier bald wieder in den Schlot des Ü-Ei 1. Zwischen Weihnachten und Silvester 2009 wollten wir der Sache endlich auf den Grund zu gehen:

Am 29.12.2009 standen Rainer Bornschlegel und ich erneut in der Verbruchkammer. Mit mulmigem Gefühl im Bauch überquerte ich am Seil gesichert den scheinbar nur aus Blockwerk zusammengesetzten Boden der Kammer. Durch die Löcher zwischen den Gesteinsbrocken konnte man tief den Schacht hinunter blicken. Wir installierten 2 Geländerseile damit wir uns sicher auf dem labilen Untergrund bewegen konnten und begannen zwischen den Blöcken mögliche Fortsetzungen zu erkunden. Leider endeten alle nach wenigen Metern zwischen den Verbruchblöcken oder in Lehmhalden.

Wir entschieden uns daher mit der Vermessung der Kammer zu beginnen. Zunächst wollten wir einen Messzug quer durch die Kammer legen. Gerade als ich den hinteren Messpunkt mit Nagellack markieren wollte, entdeckte ich direkt über mir einen kleinen offenen  Durchstieg nach oben, der offensichtlich in einen größeren Raum führte. Wir legten sofort das Vermessungswerkzeug beiseite und kletterten zwischen den Verbruchblöcken nach oben und erreichten nach wenigen Metern den Boden einer stattlichen Kammer. Auch hier handelte es sich um einen Hohlraum zwischen riesigen, verkeilten Blöcken aus Massenkalk. Der Boden war zu Glück nicht so instabil wie in dem unteren Raum, so dass wir uns auch ohne Geländersicherung frei bewegen konnten. In der Kammer war ein leichter Luftzug spürbar. An einigen Stellen, wo der Luftzug über die Verbruchblöcke strich, war deren Oberfläche mit einer Schicht aus kleinen weißen Kristallnadeln überzogen. Am hinteren Ende der Kammer fanden wir noch eine weitere Fortsetzung zwischen den Verbruchblöcken. Auch in dem weiterführenden Gang war deutlich eine Bewetterung wahrzunehmen. Ebenso wie die Kammer, war auch der Gang lediglich ein Hohlraum im Verbruch.

Bei einer späteren Vermessungstour stellten wir fest, dass wir mit der Fortsetzung über dem Ü-Ei 1 eine Höhe von 45 m über dem Niveau des Höhlenbachs am Nordwestsiphon und damit einen neuen Höhlengipfel von ca. 435m ü.NN erreicht hatten. Leider fehlen bis zur Oberfläche immer noch 45 m. Wir bewegten uns im Überraschungs-Ei 1 ziemlich genau am Rand der Pestenrainer Mulde. Das Ü-Ei 1 liegt genau unter der Infotafel Nr. 10 des höhlenkundlichen Wanderweges. Ich habe mir die Stelle um die Infotafel Nr. 10 im Winter bei Neuschnee sehr genau angesehen: Irgendwo müsste doch der von uns festgestellte Luftzug zu erkennen sein – Ich habe nichts gefunden – und bis zu den Dolinen ist es noch ziemlich weit…

Wir unternahmen in diesem Höhlenteil keine weiteren Erkundungen zwischen den Verbruchblöcken sondern konzentrierten uns gleich auf die weiteren noch unerforschten Schlote über dem Ü-Ei 2 und dem Neumonddom.

Am 25.04.2010 unternahmen wir eine weitere Erkundungsbefahrung der Nordwestlichen Höhlenteile bis zum Neumonddom. Der Neumonddom stellt eine beeindruckende kuppelartige Halle mit einer Höhe von 17 m dar. Genau an der Spitze der Kuppel ist ein senkrechtes rundes Gangprofil erkennbar. Rainer Bornschlegel und ich entschieden uns, zunächst den Schacht über dem Neumonddom zu erkunden, denn gegenüber dem noch unbefahrenen Schlot im Ü-Ei 2 hofften wir hier weniger Verbruch anzutreffen. Zudem sah der Schacht im Neumonddom wesentlich einfacher und einladender aus als der steile und überhängende Kamin im Ü-Ei 2. Ich rechnete damit, dass  der Schacht im Neumonddom größtenteils in freier Kletterei relativ schnell zu bewältigen sei.

Samstag, 27.11.2010. Treffpunkt bereits um 8.00 Uhr am Haus des Gastes.

Klaus Groß und Dieter Gebelein begleiten Rainer und mich in den Neumonddom. Wir bereiten unser Material vor und verteilen die Lasten auf 4 Schleifsäcke. Kurz vor 9 Uhr fahren wir in die Höhle ein und machen uns auf den langen und beschwerlichen Weg ans nordwestliche Höhlenende: Man passiert das Ü-Ei 1, das Ü-Ei 2 und erreicht durch einen schlammigen Schluf die Trichterhalle.

In der Halle erfolgt über den namensgebenden Trichter aus großen Verbruchblöcken der Zustieg zum darunterliegenden Schacht über der Auftauchstelle des Nordwestsiphon 1. Der Zustieg durch den Trichter wird auch sehr treffend als „Mausefalle“ bezeichnet und stellt die psychologische Schlüsselstelle auf dem Weg in den Neumonddom dar. Wenn ich die Stelle im Abstieg erfolgreich hinter mich gebracht hatte, beunruhigte mich im Neumonddom immer der Gedanke an den Rückweg durch die „Mausefalle“.
Weil die im Schacht eingebaute Drahtseilleiter durch Korrosion beschädigt war und mehrere Sprossen durchgebrochen waren, ersetzten wir die Drahtseilleiter durch ein Statikseil. Somit muss nun bereits in der Lehmtrichterhalle die SRT- Ausrüstung angelegt werden und durch den Trichter abgeseilt werden.

Nachdem alle Teilnehmer durch den Trichter abgeseilt hatten, reinigten wir im Siphon unsere Ausrüstung und unsere schlammigen Schlaze und ließen uns zu einer kurzen Brotzeit nieder. Nach der Pause begann ich von Dieter gesichert an der südwestlichen Begrenzungswand mit der Besteigung des Schachtes. Da die Wand leicht geneigt war konnte ich tatsächlich die Hälfte des Schachtes in freier Kletterei bewältigen: Die gebankten Schichten waren durch das Tropfwasser blitzsauber und boten gute und stabile Griffe und Tritte. Unterwegs setzte ich 2 Spits zur Sicherung. Bald wurde der Schacht steiler und ich musste in technischer Kletterei von Spit zu Spit weiter aufsteigen. In einer Höhe von ca. 15 m erreichte ich eine kleine Kanzel. Hier richtete ich eine Umsteigstelle ein und seilte wieder nach unten ab.

Wir wechselten den Akku der Bohrmaschine und Rainer machte sich auf den Weg um den weiteren Aufstieg von der Umsteigestelle in den erkennbaren Gangansatz einzurichten. Von der Kanzel musste Rainer in technischer Kletterei zunächst nach links traversieren und dann nochmal 4 – 5m aufsteigen. In dieser Höhe war eine parallele Fortsetzung des Schachtes südlich des Neumonddoms erkennbar.

Plötzlich klimperte es laut an der Decke der Halle und Rainer schaukelte im Seil. Er war ca. 2m gestürzt – der Bohrhaken war mit dem Felsen ausgebrochen und Rainer war in das Seil gestürzt. Bis auf einen gewaltigen Schrecken war zum Glück nichts passiert. Schnell wurden noch die letzten Meter eingerichtet und wir konnten mit der Erkundung des Schachtes beginnen:

Südwestlich der letzten Umsteigstelle erreichten wir eine ca. 2*2m große Kammer. Der Hauptschacht setzte sich in südlicher Richtung ansteigend fort. Ich versuchte in freier Kletterei weiter aufzusteigen und einen Klemmblock zu überwinden. Hinter dem Klemmblock war jedoch der Schacht stark verlehmt und innerhalb kürzester Zeit war ich total verdreckt und aktionsunfähig. Nun versuchte Rainer hinter dem Klemmblock aufzusteigen und konnte mit gemeinsamer Unterstützung die Engstelle passieren. Er stieg noch weiter auf und berichtete, dass der Schacht noch weitere 10 m nach oben führen würde und sich dort nochmals verzweigen würde. Die gerade Fortsetzung endete nach wenigen Metern. Rainer untersuchte noch ein seitliches, in südlicher Richtung ansteigendes Röhrenprofil. Nach wenigen Metern wurde das Profil weiter um schließlich von einem eingekeilten Block abgesperrt zu werden.

Inzwischen war bereits wieder nach 18 Uhr und wir mussten den Rückweg antreten. Besonders zeitaufwändig gestaltete sich der Aufstieg durch die Mausefalle und Dieter musste zum Taschenmesser greifen um sich des einklemmten Schleifsacks zu entledigen. Wir legten in der Lehmtrichterhalle ein umfangreiches Materialdepot für die nächste Tour an und machten uns auf den langen Weg nach draußen. Um 23.00 Uhr erreichten wir erschöpft und müde den Höhlenausgang und freuten uns sehr über die späte Brotzeit im Gasthof Kornprobst.

Leider hatten wir es nicht mehr geschafft, den Schacht gleich mit zu vermessen, deshalb musste eine weitere Tour in den Neumonddom geplant werden. Ein Termin im Winter 2011 musste witterungsbedingt abgesagt werden: Die Schneeschmelze hatte dermaßen stark eingesetzt, dass in Deising sogar der Hungerbrunnen ausgebrochen war.

Angesichts des Hochwassers mussten wir damit rechnen, dass der Zugang zum Nordwesten vollständig siphoniert war. Deshalb verschoben wir die Befahrung des Neumonddomes bis auf weiteres und dokumentierten stattdessen das Hochwasser im Eingangsbereich der Höhle.

Weil die Touren zum Neumonddom so anstrengend und lang sind haben Rainer und ich vereinbart, die Befahrungen nur an Samstagen durchzuführen, um am Sonntag noch genügend Zeit zur Regeneration zu haben. Weil wir beide Familie, Kinder und Beruf haben ist es deshalb manchmal schwierig einen gemeinsamen Termin zu finden. Deshalb dauerte es bis zum 03.09.2011 bis wir uns wieder auf den Weg zum Neumonddom machten.

Wir planten eigentlich nur die Vermessung der bereits befahren Teile des Neumondschlotes und hatten daher relativ wenig Gepäck dabei. Deshalb packten wir bereits 2.5 Stunden nach Betreten der Höhle die Brotzeit im Neumonddom aus. Nach der Pause begannen wir wie üblich mit der Arbeit: Ich stieg mit dem Ziel auf, die übrigen 15 m des Statikseils oberhalb des Verbruchblocks zu verankern. Rainer folgte um den Schacht zu vermessen. Die verlehmte Stelle hinter dem Block wollte mir erneut Schwierigkeiten machen, aber ich setzte einen Spit und konnte die Stelle mittels Trittleiter überwinden. An der Abzweigung des seitlichen Röhrenprofils richtete ich die obere Verankerung mit 2 Spits ein. Derweil hatte Rainer die untere Schachtkammer mit den Meßzügen erreicht. Ich hängte meine Sicherungsschlinge, mein Abseilgerät und meine Handklemme an das Seil und stieg in das Röhrenprofil ein.
Nach 2 m wurde die Röhre etwas weiter und ich konnte mich umdrehen. Mir fiel auf, dass die Wände saubergespült waren. Über mir erkannte ich den Verbruchblock: Eine ca. 0,5 m² große Platte klemmt in der Röhre und engt diese ein. Zunächst einmal klopfte ich ganz vorsichtig an die Platte – vielleicht krieg ich sie ja raus? Es rührte sich nichts. Ich klopfte etwas fester und versuchte die Platte anzuheben – wieder nichts – vielleicht komm ich ja auch vorbei? Vorsichtig schob ich meinen Kopf an der Platte vorbei – sie rührte sich zum Glück noch immer nicht. Über der Platte riskierte ich einen Blick nach oben: Das Röhrenprofil öffnete sich zu einer runden Kammer mit ca. 2 m Durchmesser.
Die Wände waren blitzsauber ausgewaschen und der Boden war über und über mit dunklen Flußgeröllen, wie sie auch im Bett des Höhlenbachs zu finden sind, bedeckt. Ich stützte mich mit den Ellenbogen ab um in die Kammer einzusteigen als ich bemerkte, dass die Flußgerölle ins rutschen gekommen waren. Ich konnte gerade noch Rainer unter mir warnen und schon prasselte die Ladung durch den Schacht hinunter. Rainer hatte in einer seitlichen Auskolkung einen sicheren Unterstand gefunden, deshalb räumte ich weiteres Geröll ab. Anschließend sah ich mir den weiteren Verlauf an:
Aus der Kammer führte ein stark zerlaugter Horizontalgang mit teilweise ausgeprägten Auskolkungen in südöstlicher Richtung weiter. Ich konnte dem engen und verwundenen Gang 6 – 7 m folgen bis ich zu einer scheinbar unpassierbaren Engstelle kam.
Allerdings war hinter der Engstelle deutlich ein größerer Raum zu erkennen in dem man wohl ohne Probleme stehen konnte. Ich drehte mich um und kehrte zu der Kammer zurück um Rainer zu informieren. Rainer legte das Vermessungswerkzeug beiseite um sich selbst ein Bild zu machen. Wir kamen zu dem Ergebnis, dass sich die Engstelle ohne größeren Aufwand erweitern ließe. Eventuell wäre zu prüfen, ob die Engstelle ohne Schachtausrüstung bewältigt werden könne. Inzwischen war wiederum das Zeitlimit erreicht und wir machten uns auf den Rückweg. Dank der aufgenommenen Meßzüge konnten wir nach der Tour erkennen, dass wir uns vom Neumonddom nach Südosten Richtung Ü-Ei 2 bewegt hatten. Laut Vermessung fehlten uns nur noch 10 m bis zum Schacht des Ü-Ei 2.

Für die nächste Tour am 14.01.2012 konnten wir Steffen Hoffmann als erfahrenen Neulandhasen gewinnen, uns zum Schacht im Neumonddom zu begleiten.

Martin Rüssler und Dieter Gebelein hatten für diesen Tag eine Tour zu den Datenloggern geplant und kamen deshalb bis kurz vor den Schatzkammersiphon mit.

Unsere Erwartungen waren groß: Wir hofften, einen Durchstieg vom Neumonddom zum Ü-Ei 2 zu finden und beschlossen, eine Bierdose im Ü-Ei 2 als Motivationsschub zu deponieren. Leider überlebte die Dose den Transport im Schleifsack nicht lange und musste deshalb schon im Hyperraum zurückgelassen werden.

Nachdem wir uns am letzten Datenlogger von Martin und Dieter verabschiedet hatten, stießen wir weiter bis zur Lehmtrichterhalle und legten dort bei unserem Materialdepot eine ausgedehnte Pause ein. Anschließend seilten wir durch die Mausefalle zum Siphon ab und begannen nach einer gründlichen Reinigung mit dem Aufstieg in den Schacht über dem Neumonddom. Ich hatte erneute Schwierigkeiten mit der verlehmten Engstelle hinter dem Klemmblock und konnte die Stelle erst nach mehreren kraftraubenden Anläufen mit der Trittleiter überwinden. Rainer und Steffen waren bereits vor mir und legten in der Kammer ihre Schachtausrüstung ab. Ohne Schachtausrüstung konnte Rainer die Engstelle problemlos passieren und in den bereits einsehbaren Raum vordringen: „Oh das sieht ganz gut aus – und ich kann etwas schachtartiges erkennen!“

Steffen reichte Rainer den Hammer und den Meißel durch und mit wenigen Schlägen konnte Rainer die Engstelle öffnen, dass sie nun problemlos zu passieren war. Steffen und ich kamen nach und schauten uns neugierig um:

Der erreichte Raum hinter der Engstelle war im Massenkalk angelegt. Wir hatten wohl die unteren Schichten des Malm Delta erreicht. Auffällig waren die vielen dunklen Hornstein-Einlagerungen im umgebenden Gestein. Auch am Boden, der größtenteils sauber gespült war, lagen viele Hornsteine. Stammen die Gerölle im Bachbett der Mühlbachquellhöhle vielleicht aus den nicht zersetzten Hornsteinen aus diesen Schichten?  Die Raumformen machten einen sehr zerlaugten Eindruck und erinnern an fossile fränkische Höhlen. Am Boden war ein trocken gefallener, ehemaliger Wasserlauf zu erkennen. Offensichtlich war hier Wasser in nordwestlicher Richtung (zum Neumonddom) abgeflossen. Ca. einen halben Meter über dem Wasserlauf war an der südlichen Begrenzungswand ein ca. 10 – 15 cm breiter Sedimentstreifen aus den verfestigten, dunklen Flussgeröllen zu erkennen. Offensichtlich war der Gang bis zu dieser Höhe mit Sedimenten verfüllt.
Die Verfüllung wurde entweder durch fließendes Wasser abtransportiert oder war, wie Steffen vermutete, aufgrund einer Absenkung des Höhlenbodens verschwunden. Im weiteren Gangverlauf war nämlich zu erkennen, dass der Boden, ähnlich wie über dem Ü-Ei 1, aus ineinander verkeiltem Verbruch bestand. Mitten in der Kammer lag das von Rainer Bornschlegel entdeckte schachtartige Loch mit einem Durchmesser von ca. 70 cm.  Wir ließen einige Steine in das Loch fallen und stellten erfreut fest, dass sich unter uns wohl ein größerer Raum befinden musste. Wir erkundeten den weiteren Verlauf und entdeckten einen kurzen Rundgang mit einer ansprechend versinterten Spalte. An den Wänden entdeckte Steffen fossile Korallen.
Mir fiel eine dunkle Stelle im Gestein auf, die mich an die Spurenfossilien in den Kalkbänken an der Schichtgrenze  Malm Beta/Gamma erinnerte.
Im weiteren Gangverlauf fanden wir hinter einem Überstieg über einen schmalen Felsgrat einen weiteren nach unten führenden Schacht. Dieser wies einen größeren Durchmesser als der vordere Schacht auf, allerdings hingen in der oberen Schachtöffnung einige größere Blöcke, die einen sehr instabilen und gefährlichen Eindruck erweckten. Rainer konnte 2 von ihnen auslösen. Trotzdem beratschlagten wir, den vorderen Schacht mit einem Seil einzurichten. Die weitere Erkundung führte uns durch einen lehmigen Schluf in eine Kammer. Diese dürfte südöstlich des Ü-Ei 2 über der Lehmtrichterhalle liegen. Am Boden war auch hier ein trockener Wasserablauf nach Südosten zu erkennen. Eventuell besteht hier eine hydrologische Verbindung zum Kristallsee?
Dies würde bedeuten, dass innerhalb des von uns entdeckten Höhlenteils eine Wasserscheide zwischen dem Neumonddon und dem Kristallsee liegt. Die Begrenzungswände der Kammer und der gesamte Deckenbereich bestanden ähnlich wie die Höhlenteile über dem Ü-Ei 1 aus großvolumigen Verbruchblöcken aus Massenkalk. Ob hier ein Durchgang zu weiteren Höhlenteilen oder zu einer höheren Etage möglich ist, wäre bei künftigen Touren zu prüfen. Wir mussten uns nun an unsere Arbeit machen: Steffen und Rainer begannen mit der Vermessung der neuen Räume und ich richtete die Abseilstelle am vorderen Schacht ein.

Wir hatte nur ein dynamisches Seil dabei. Deshalb richtete ich mit 2 Spits die Abseilstelle ein und seilte an dem Kletterseil ab. Nach wenigen Metern öffnete sich der Raum flaschenhalsartig und ich hing frei am Seil. Tatsächlich öffnete sich unter mir die beeindruckende Schachthalle des Ü-Ei 2. Wir hatte tatsächlich die obere Verbindung zwischen dem Neumonddom und dem hinteren Ü-Ei gefunden. Nach unserem ursprünglichen Plan wäre dort jetzt eine volle Bierdose gestanden…

Unten angekommen machte ich mich auf den Weg zur Lehmtrichterhalle und packte unser gesamtes Materialdepot ein. Da der künftige Anstieg direkt vom Ü-Ei 2 bewältigt werden kann, wird das Depot in der Lehmtrichterhalle künftig nicht mehr benötigt. Ich zerrte das Gepäck durch den Schluf zurück ins Ü-Ei 2 und stieg mit einem Statikseil zurück zu Steffen und Rainer. Schnell waren die Seile gewechselt und ein Geländerseil über dem labilen Boden eingebaut. Wieder war die Zeit weit vorangeschritten und wir mussten an den Rückweg denken. Weil ohnehin eine weitere Vermessungs- und Erkundungstour notwendig ist, brach Rainer die Vermessung des Neulandes ab und versuchte stattdessen die Anschlussmessung durch den Schacht auf die Meßpunkte im Ü-Ei 2. Wie sich später herausstellte, hat der Ringschluss zwischen den Meßpunkten im Neumonddom und dem Ü-Ei 2 hervorragend funktioniert!

An meiner Lampe hatte sich eine Schraube gelockert, so dass ich befürchtete, meinen Lampenkopf zu verlieren. Die praktisch veranlagten und pfiffigen Schweizer Lampenbauer haben zum Glück so große Schlitzschrauben verwendet, dass man sie problemlos mit dem üblichen Höhlenforscherwerkzeugen (Brecheisen) problemlos wieder fest ziehen kann.

Wir seilten uns der Reihe nach ins Ü-Ei 2 ab und machten uns müde und erschöpft aber sehr glücklich über unsere Entdeckung auf den Weg nach draußen. Um 21.15 Uhr verließen wir nach diesem langen Tag die Höhle.

Eine weitere Tour ist notwendig, um die noch fehlende Vermessung der oberen Etage fertig zustellen. Zudem bieten die Verbruchblöcke (wie auch über dem Ü-Ei 1) noch ein interessantes Potential für Entdeckungen. Interessant sind sicherlich auch genauere Untersuchungen der vorgefundenen Fossilien und der Hornsteine.

Es gibt noch viel Spannendes zu tun im Nordwesten!

 

 

 

 ^ nach oben

–––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––

Hochwasserbefahrung der Mühlbachquellhöhle

Von Jochen Pesahl / 02/2011

Aufgrund der vorhergehenden Schneeschmelze und Regenfälle blieb auch dieses Jahr (2011) ein verhältnismäßig zünftiges Hochwasser nicht aus. Der Mühlbach war bei der Ankunft am Haus des Gastes erwartungsgemäß eine kaffeebraune, undurchsichtige Brühe und der Wasserstand doch deutlich höher als sonst. Von der Hochfläche eingeschwemmter Schlamm von Wald und Feldern hatte das Wasser des sonst so klaren Baches wenig einladend gefärbt. Der Scheitel des Hochwassers war bereits etwa zwei Tage zuvor eingetreten, an den Stufen der Treppe konnte man anhand des abgelagerten Schlamms erahnen, wie hoch der maximale Wasserstand gewesen ist.
Da das Hochwasser bereits abklang, beschloss man eine Befahrung der Höhle, so weit dies eben möglich war. Bereits der erste Halbsiphon stelle eine sehr große Hürde dar, da dieser nun komplett vollgelaufen war und kein Luftspalt mehr zwischen Decke und Wasser das sichere Überwinden gewährleistete. So musste man hier einige Meter durch die eiskalte Brühe tauchen. Überraschenderweise kam das Wasser, welches den Halbsiphon schloss nicht vom Mühlbach selbst, sondern plätscherte aus einer unscheinbaren, stark korrodierten Deckenröhre. Beim Einbiegen in die eingangsnahe Mühlbachpromenade wehte bereits eine Priese nach Dung und Odel in unsere Nasenflügel. Die Landwirtschaft geht halt auch an der Höhle nicht ganz vorbei, besonders zu Hochwasserzeiten. Es kostete einige Überwindung den ersten Fuß in das etwas beißend riechende Brackwasser zu setzen.
Am Ende der Mühlbachpromenade lief zur großen Verwunderung rechts Wasser aus einer verschwemmten Druckröhre – diese Stelle ist ausschließlich bei Hochwasser aktiv. Zur Freude aller war der etwa 10m lange Hauptgangsiphon nicht vollständig geflutet, durch einen schmalen Luftspalt konnte man bis zur anderen Seite mit der Nase an der Decke pappend atmen. Hinter dem Halbsiphon sammelten sich in der Ecke lustige, meterhohe Schaumberge, deren Konsistenz man jedoch nicht einmal erahnen will. Angekommen im Donnerdom wurde die gesteigerte Fließgeschwindigkeit des Wassers deutlich, der Wasserfall war wesentlich schwieriger als sonst zu überwinden. Es wurde auch das erste mal das Notseil mit einer Boje als Steighilfe ausgeworfen. Mittlerweile hatte man sich bereits fast an den muffigen Geruch des Wassers gewöhnt.
Der Weiterweg verlief relativ problemlos, auf einen Bootsausflug in den Ostgangs wurde wegen des starken Seegangs verzichtet. Der Bach im Nordgang war merklich breiter und überdeckte stellenweise die Sandbänke. Am Maulwurfsiphon angekommen wurde der, durch das Hochwasser bereits stark zusedimentierte Unterwasserschluf wieder ausgegraben und anschließend sicherheitshalber zum Rückzug geblasen. Auf dem Rückweg wurden noch der Blaue Siphon und der Raupensiphon untersucht. Der Blaue Siphon war glasklar und scheint im Gegensatz zum Raupensiphon keinen Kontakt mit dem Bachwasser zu haben. Der aus gutem Grund selten befahrene Zustieg zum Raupensiphon war wieder ein spannendes Erlebnis: eine sauenge Deckenröhre in der Mühlbachpromenade, welche zu allem Überfluss noch auf 3m Höhe liegt. Hier kämpft der Höhlenforscher am Einstieg nicht nur horizontal sondern auch vertikal mit seinem Bierbauch. Später wurde noch, mit einem leichten Eigengeruch ausgestattet, über das Erlebte bei Bier und Schweinsbraten im nahen Wirtshaus resümiert.

^ nach oben

_____________________________________________________________________________

Siphons in der Mühlbachquellhöhle
Der Hauptgang der Mühlbachquellhöhle zweigt sich am so genannten Bermuda-Dreieck in den Ostgang und den Nordgang auf. Der Nordgang wiederum teilt sich an der Arena in den Nordostzweig und den Nordwestzweig. Alle drei Hauptzweige enden in Siphonketten. Deshalb spielen die Siphonketten eine bedeutende Rolle bei der Betrachtung der Fortsetzungsmöglichkeiten der Mühlbachquellhöhle.
Neben den Siphonketten gibt es noch zahlreiche einzelstehende Siphons, vornehmlich in den eingangsnahen Höhlenteilen.

Die Ostsiphons
Der Ostgang hat die größte Wasserschüttung von den drei Hauptzweigen der Mühlbachquellhöhle. Durchwegs großräumige Siphons mit Längen zwischen 15m und 80m und Tiefen von 3m bis 8m wechseln mit Passagen über Wasser, die jeweils zwischen 50m und 100m lang sind. Ausnahmen sind längere Gangabschnitte über Wasser zwischen Ostsiphon 2 und 3 mit 250m Länge, und der ca. 400m lange Überwassergang am derzeitigen Höhlenende. Der Ostgang endet in einem riesigen Versturz. Im Hinblick auf andere wesentlich leichter erreichbare Gangverstürze in der Mühlbachquellhöhle dürfte dieses Hindernis wohl nicht allzu schnell überwunden werden. Material zur Abstützung eines Stollens müssten durch die bis dahin insgesamt ca. 350m Tauchstrecke gebracht werden. Auffallend in der Ostsiphonkette ist das starke Gefälle zwischen einigen Siphons. Auf blankem Felsboden gibt es dort immer wieder kleine Wasser-Kaskaden. In fast allen Auftauchbereichen gibt es Kamine, die auf eine Erkundung warten.

Die Nordostsiphons
Die Siphons am Ende des Nordostgangs sind zwar die kleinräumigsten der drei Siphonketten, aber trotzdem zumeist für den Taucher komfortabel passierbar. Die Wasserschüttung ist nur knapp ein Zehntel der Wasserschüttung im Ostgang. Die Tiefe ist durchwegs nur maximal 2-3m bis auf eine Ausnahme, dem so genannten Menschenfresser: Ein lehmiger Abstieg mit mehreren Engstellen führt in über 9m Tiefe. Dahinter steigt ein größerer Schacht wieder auf die übliche Tiefe an. Die langen Siphons des Nordostgangs sind zwischen 50m und 125m lang. Im Anfangsbereich gibt es zwischendurch noch einige kleinere Siphons mit 5-20m Länge. Das Ende des Nordostgangs ist ein wesentlich kleinräumigerer Siphon, der wegen der Enge nur äusserst schwierig weiter zu betauchen wäre. Wegen dem stark reduzierten Querschnitt gegenüber dem bisherigen Gang dürfte der Siphon auch keine allzu bedeutende Fortsetzung des Nordostgangs mehr sein. Interessanter ist wahrscheinlich ein riesiger Kamin, der in der letzten Auftauchstelle nach oben führt, der Dolinenaufzug. Bis dahin müssten aber weit mehr als 250m Unterwasserstrecken mit umfangreicher Kletterausrüstung im Gepäck überwunden werden.

Die Nordwestsiphons
Trotz der noch geringeren Wasserschüttung gegenüber dem Nordostgang sind die Nordwestsiphons wesentlich geräumiger als die Nordostsiphons. Drei Siphons mit den Längen 50m, 30m und 60m, sowie Tiefen zwischen 3m und 6m, sind unterbrochen durch zwei 50m und 80m lange Landpassagen mit einigen Hallen. Der erste Siphon ist der einzige Siphon einer der Siphonketten, der durch die Entdeckung eines überlagernden Höhlenteils umgangen werden konnte. Die Umgehung eignet sich wegen vieler sehr enger Passagen aber nicht für Tauchvorstöße, sondern gibt allenfalls mehr Sicherheit für den Notfall. Bei Tauchaktionen muss der Siphon trotzdem durchquert werden. Der unübersichtliche erste Nordwestsiphon hat einen Unterwasserabzweig, der mit Lehmboden bis in 9m Tiefe hinabführt. Am unpassierbaren Endpunkt deutet sauber gespülter Kies auf eine gelegentliche Wasserzufuhr hin. Der zweite Nordwestsiphon ist der großräumigste, und erinnert schon fast an die Dimensionen im Ostgang. Der Nordwestgang endet im 60m langen dritten Siphon. Der Sedimentboden steigt bis knapp unter die Decke an, und macht den Unterwassergang unpassierbar. Es ist fraglich, ob im dritten Siphon bei Normalwasserstand überhaupt noch eine Wasserführung stattfindet. Eine Unterwassergrabung mit 60m Siphon im Rücken wäre nicht ganz ohne Risiko.

Einzelstehende Siphons
Die größte Bedeutung von den einzelstehenden Siphons hat der Maulwurfsiphon  im Nordgang, da durch ihn mehrere Kilometer Höhlengänge im Norden zugänglich sind. Der Siphon war fast vollständig mit Sedimenten verfüllt, und wurde unter Wasser ausgegraben, so dass man jetzt auf dem Bauch rutschend mit einer kleinen Tauchflasche in der Hand durchtauchen kann. Nach großen Hochwässern muss der Siphon häufig wieder von Sedimenten befreit werden. Durch eine gewisse Übung stellt der Siphon für alle, die in den hinteren Teilen des Nordgangs forschen, schon lange kein Problem mehr dar.
Der verzweigte Eingangsbereich mit der komplizierten Wasserführung weist etliche kleinere Siphons mit Längen zwischen 1m und 20m auf. Viele Siphons sind durch andere Gänge umgehbar, wurden aber alle mindestens einmal durchtaucht. Eventuelle Fortsetzungsmöglichkeiten gibt es durch extrem enge Siphons in Richtung der Quellaustritte der Mühlbachquellhöhle. Einige Siphons des Eingangsbereichs enden unter Wasser und haben keine weitere Auftauchstelle.

Tauchtechnik und Vermessung
Wegen der geringen Tiefe kann überall mit Pressluft getaucht werden. Dekompressionsphasen sind nicht erforderlich. Erschwerend sind dagegen die langen Transportwege, um die Siphonzonen zu erreichen, und die häufig unwegsamen Abschnitte zwischen den Siphons, die mit der schweren Tauchausrüstung überwunden werden müssen. Bewährt hat sich das Anlegen von Materialdepots vor geplanten Tauchaktionen, so dass am Tag der Hauptaktion möglichst wenig Transporte durchgeführt werden müssen.
Alle Siphons sind mit Orientierungsleinen versehen, die aus 6mm Reepschnüren bestehen. Neben der Orientierung in dem beim Rückweg stets trüben Wasser, dienen die Leinen auch der Vermessung. Es hat sich gezeigt, dass die Vermessung der Siphons enorm erleichtert werden kann, wenn jeder Meter der Leine markiert ist. Neuere Leinen in der Mühlbachquellhöhle sind deshalb mit Meterzahlen numeriert.

Die Unterwasservermessung stellt wegen der durch den Luftvorrat begrenzten Zeit eine Herausforderung dar. Genauso wichtig wie die Erschließung der Siphons war deshalb auch das Experimentieren mit verschiedenen Vermessungsmethoden. Mit einem speziell von Robert Queitsch für die Höhlenvermesung entwickelten elektronischen Kompass mit Tiefenmesser, kann während dem Tauchgang durch einfaches Betätigen von Schaltern Neigung, Richtung, Tiefe und Länge der Tauchleinen abschnittsweise gespeichert werden. So ergeben sich vollständige Messzüge. Die Umriss und Detailvermessung kann ohne Zeitdruck zu Hause anhand von Videoaufnahmen erstellt werden, die während dem Tauchgang gemacht wurden. Zur Ermittlung der Größenverhältnisse wird ein vorausschwimmender Taucher gefilmt, der einen Gegenstand mit bekannter Größe trägt.