Seit der Entdeckung der Mühlbachquellhöhle im Jahre 2001 wird die speläologische Erforschung dieses Riesenhöhlensystems kontinuierlich fortgeführt.
Inhalt:
Befahrungsbericht vom 1. Mai 2012 von Christa Locke
Im Nordwesten nichts Neues? von Tom Lindner
Hochwasserbefahrung der Mühlbachquellhöhle von Jochen Pesahl
Siphons in der Mühlbachquellhöhle von Martin Queitsch
Befahrungsbericht vom 1. Mai 2012
das Ziel der heutigen Befahrung bestand zum einen in Vorarbeiten bzw Überprüfung der Möglichkeiten zum Beseitigen des gefährlichen Verbruchs in der Bröselhalle, der uns momentan am Weiterkommen hindert, zum anderen im Aufstellen einiger Barberfallen. Nebenbei wurden verfallene Medikamente in der Notfalltonne im Hauptgang ausgetauscht.
Außer Vermessen, hydrologischer und geologischer Untersuchungen sollte eine Höhle auch biospeläologisch erforscht werden – immerhin ist sie auch Lebensraum – und um seine Bewohner zu schützen, müssen wir sie erst mal kennen lernen.
Die Biospeläologie ist eine relativ junge Wissenschaft, die sich zum Ziel gesetzt hat, das Leben untertage zu erforschen. In den gemäßigten Klimazonen haben neben der ewigen Dunkelheit und der hohen Luftfeuchtigkeit vor allem kalte Temperaturen und ein geringes Nahrungsangebot einen großen Einfluss auf die Besiedelung des unterirdischen Lebensraums. Die Erfassung des Arteninventars von Höhlen und künstlichen Hohlräumen ist relativ kompliziert, da dieser Lebensraumtyp eine Vielzahl schwer zu bestimmender Arten beherbergt. (Zitat: karstinstitut.org)
Bisher wissen wir nur vom proasellus cavaticus, einer kleinen weißen Höhlenassel, die in wasseraktiven Teilen anzutreffen ist. Sie wird 5 – 8 mm groß, hat einen weißlichen, fast durchscheinenden Körper und besiedelt unterirdische Gewässer wie Höhlenbäche oder auch das Grundwasser. Kommt aber auch oberirdisch in Quellen vor. Dort lebt sie unter Steinen. Nahrungsgrundlage sind Bakterienrasen, sogenannte Biofilme.
Der Eingang zur MBQH ist ja ein künstlicher Stollen. Heute haben sich da keine höhlentypischen Bewohner eingenistet. Nur eine kleine Spinne sitzt hinter der Tür und eine verirrte Mücke schwirrt planlos herum.
Weitere Lebewesen wurden bei der Begehung nicht gefunden, allerdings fanden wir Spuren, die wahrscheinlich von einem Ringelwurm stammen.
Das ist zumindest die Meinung des Experten, der allerdings nur ein Foto gesehen hat. Ich schaufle eine großzügige Portion Lehm in einen mitgebrachten Behälter, schön vorsichtig vom Rand, um in der Höhle so wenig wie möglich zu zerstören. Wahrscheinlich hab ich nicht tief genug gegraben, denn vorsichtiges Sieben und Waschen des Lehms förderten leider nichts zutage … ich werde es nochmal versuchen!
Bei einer früheren Befahrung fiel den Forschern ein wurmartiges Wesen, vielleicht ein Strudelwurm – oder jener Ringelwurm, auf. Leider sind diese Viecher meist recht schnell und wendig; nicht mal ein ordentliches Foto konnte gemacht werden.
Heute ließ er sich nicht blicken …
Die Fallen wurden an drei strategisch vielversprechenden Stellen eingegraben und ich hoffe, daß wir in vier Wochen mehr wissen
Auch unsere anderen Aufgaben haben wir zufriedenstellend erledigt. Das verfallene Medikament in der Notfalltonne am alten Bootshafen wurde ausgetauscht.
Weitere Päckchen warten, wasserdicht verpackt und mit eingeschweißter Gebrauchsanweisung versehen, auf die nächste Forschergruppe, die sie mitnehmen sollen in die Notfalltonnen in den tagfernen Gebieten hinter dem Maulwurfsiphon und am Ost 1.
Auch im Verbruch sind wir ein Stück weiter gekommen.
Zufrieden, aber hungrig verlassen wir die Höhle am Spätnachmittag und begeben uns direkt zum Wirt. Naja – fast direkt, denn vorher werden verschmutze Schlaze, Neos und Ausrüstungsteile – auch Menschen – im Mühlbach gereinigt. Dieses seltsam anmutende Ritual wurde von ein paar Touristen gleich geknipst, die anlässlich des Maibaum-Aufstellens zugegen waren – die Einheimischen haben sich an dieses Bild schon gewöhnt
So – jetzt aber rein in trockene Klamotten und nix wie hin in zu Bier und Brotzeit!
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„Im Nordwesten nichts Neues?“
Die Schächte im Überraschung-Ei und im Neumonddom der Mühlbachquellhöhle
Von Tom Lindner / 18.01.2012
Innerhalb der Mühlbachquellhöhle fallen zahlreiche Schlote und Kamine auf, welche vom Hauptniveau der Höhle nach oben führen. Martin Queitsch bemerkte anlässlich einer Schachtbefahrung im Nordgang einmal treffend, dass es in der Mühlbachquellhöhle wohl mehr Schächte gäbe als in der restlichen Frankenalb. Verglichen mit anderen fränkischen Schachthöhlen stellen die Schlöte und Kamine in der Mühlbachquellhöhle noch eine ganz andere Herausforderung dar, denn alle großen Schächte führen ausnahmslos nach oben und können daher nur mit erheblichem Material und Zeitaufwand von unten befahren werden.
Die Erforschung eines einzelnen Schachtes kann durchaus mehrere Forschungstage (verteilt auf mehrere Touren) in Anspruch nehmen. Aufgrund der großen Anzahl und der zeitraubenden Erforschung und Dokumentation gibt es auch 11 Jahre nach Entdeckung der Mühlbachquellhöhle unerforschte Schlote mit einem großen Fragezeichen.
Spekulationen und Vermutungen zu möglichen Verbindungen zwischen den Schächten und den Dolinen auf der Hochfläche weckten damals das Interesse der Karstgruppe Mühlbach, die Kamine und Schlote über dem Höhlenbach genauer zu erkunden.
Bereits kurz nach der Entdeckung der Höhle wurden die Kamine im Nordgang wie der Augentropfenschacht, der Abrakadabraschacht im Nordosten und Schächte im Osten, wie der Ikarusschlot befahren. Über dem Augentropfenschacht konnte ein kleinerer horizontaler Höhlenteil im Massenkalk erreicht werden. Größere Räume oder gar eine mögliche Verbindung nach oben oder zu anderen Höhlenteilen wurden jedoch nicht entdeckt.
Im Nordwesten unternahmen die Gebrüder Queitsch mit Armin Schnobrich, Steffen Hoffmann, Christoph Gropp und Rainer Bornschlegel im Jahr 2006 die erste den ersten Seilaufstieg im Überraschungs-Ei. Sie erreichten in einer Höhe von 15m über dem Boden eine horizontale Etage und konnten einen kleineren Parallelschacht befahren.
Ab dem Jahr 2007 begannen dann Rainer Bornschlegel und ich systematisch die noch unbekannten Kamine und Schächte im Nordgang und im Nordosten der Höhle zu erforschen und zu dokumentieren.
Die Kamine im Nordgang hinter dem Maulwurfsiphon hatten uns nicht den Durchbruch in eine erhoffte obere Etage der Mühlbachquellhöhle beschert: Ab einer Höhe von ca. 20 m über dem Bachniveau erreichten die Schächte die oberen Schichten des Malm Gamma (Crussoliensis Mergel) und verzweigten sich dort in der Regel in kleinräumige, stark verschlammte Horizontalgänge welche dann nach wenigen Metern mit Sedimenten plombiert waren.
Eine Befahrung des hängenden Verbruchs im Kamin der Riesenklufthalle am nordöstlichen Höhlenende wirkte erfolgversprechend: Der Verbruch bestand aus riesigen Blöcken aus dolomitisierten Malm Delta und wenn diese Blöcke aus den oberen Gesteinsschichten ihren Weg bis auf das Hauptgangniveau der Mühlbachquellhöhle finden konnten, musste zumindest theoretisch ein Gangprofil der entsprechenden Größe noch oben existieren. In der Praxis mussten wir allerdings mitten im Verbruch einsehen, dass ein Durchstieg viel zu gefährlich war und daher wurde die Befahrung aus Sicherheitsgründen abgebrochen.
Die Erkundung eines Balkons in der Halle der stillen Trommler führte zwar zur Entdeckung einer stark versinterten und sehr schönen Querkluft – leider betrug die Ganglänge aber nur wenige Meter.
Deshalb konzentrierte sich unsere Hoffnung ab dem Herbst 2009 auf den Nordwesten der Mühlbachquellhöhle. In diesem Teil der Höhle liegen die beiden Schachthallen des Überraschungsei 1 und 2 sowie der Neumonddom. Da der Nordwesten der Höhle bis an den Rand der Pestenreiner Mulde reicht, vermuteten wir eine mögliche Verbindung über Schächte und Schlote zu einer oberen Etage oder zu den Dolinen innerhalb des Poljes. Unsere Vermutung wurde durch die Auswertung der Loggerdaten aus dem Nordwest-Gang der Höhle gestärkt. Die Kurven der Temperatur und der Leitfähigkeit ließen folgern, dass die Schmelzwässer sehr schnell und ungefiltert in den Untergrund eindringen konnten. War es möglich durch die Schächte dem Weg des Wassers zu folgen?
Wir begannen im September 2009 mit einer ersten Erkundungstour in den Nordwesten. Als größtes Hindernis bei Unternehmungen in diesen Höhlenteil erwies sich der lange Weg mit all dem notwendigen Gepäck (SRT – Ausrüstung, Seil, Bohrmaschine und Verpflegung). Bis zum Nordwest-Siphon kamen wir zwar noch relativ schnell voran, aber der Verbindungsschluf zum Überraschungs-Ei entpuppte sich mit einem 20 kg Schleifsack als wahrer Alptraum:
Zunächst geht es annähernd waagrecht durch im Schluf stehendes Wasser und über einzelne Blöcke. Dann kriecht man durch eine Pfütze in eine ca. 30° ansteigende Röhre, die an der Sohle allerdings so schmal ist, dass sich garantiert und gerne auch mal öfters der Schleifsack verklemmt. Anschließend muss ein ca. 10 m hoher, enger und glitschiger Kamin erklettert werden – Das Gepäck wird im Kamin hochgezogen und bleibt mindestens einmal irgendwo hängen. Schließlich geht es umständlich über einen Klemmblock und durch einen engen und schlammigen Schluf flutscht man ins Ü-Ei – wenn sich nicht schon wieder der Schleifsack verhängt hat…
Mit unserem Gepäck war die Befahrung des Verbindungsschlufes eine unmenschliche Schinderei. Zunächst versuchte ich den Sack hinter mir herzuziehen. Nachdem er sich auf 3 m gefühlte 500mal verklemmt hatte, versuchte ich den Sack vor mir durch den Schluf zu schieben – fluchen – Sack nach vorne schieben – Sack klemmt! – nochmal fluchen! – Sack lösen und mit einem lauten Fluch! nach vorne werfen!! – Sack rutscht wieder runter und landet auf dem Helm!!! Die Kommentare und Bemerkungen, die in diesem Höhlenteil oft und laut zu hören sind, braucht man wohl nicht näher erläutern.
Im Überraschungs-Ei war ich fix und fertig. Wir entschieden uns deshalb zu einer Besichtigung, wobei uns natürlich die noch unerforschten Schächte besonders interessierten.
Das Überraschungs-Ei kann man sich als zwei eigenständige Schachthallen vorstellen, die durch einen ca. 20 m langen und flachen Schluf verbunden sind (Ü-Ei 1 und Ü-Ei 2). Die Höhe der Hallen ist beeindruckend und nur schwer zu schätzen. Spätere Messungen ergaben Höhen von 17 – 20 m. Mit einer lichtstarken Lampe können die Schächte gut ausleuchtet werden und am First der beiden Hallen lassen dunkle Löcher eine mögliche obere Etage erahnen. Der Höhlenteil vom Überraschungsei bis zur Lehmtrichterhalle wird nicht vom Nordwestbach durchflossen. Der Boden ist mit Verbruchblöcken und feuchten Lehmsedimenten bedeckt. Zwischen den Verbruchblöcken finden sich auch zahlreiche Flußgerölle mit dem dunklen Überzug, wie sie auch im Bachbett des Höhlenbaches zu finden sind. Einer dieser Steine mit entsprechender Form war übrigens der Namenspatron für den gesamten Höhlenteil. Womöglich bringt der Name auch die Verwunderung der Entdecker Steffen Hoffmann, Ralph Schobert und Manfred Walter am 20.09.2002 zum Ausdruck – weil die Dimensionen der Hallen angesichts des engen Zuganges tatsächlich überraschend sind.
Das fehlende Wasser im Überraschungsei macht jegliche Reinigung des Materials unmöglich. Durch die Befahrung des Verbindungsschlufs ist man vollkommen mit dünnflüssigem Schlamm bedeckt und es ist schwierig mit technischem Gerät oder der SRT – Ausrüstung zu hantieren, ohne diese zu beschmutzen. Je länger man sich dann im Ü-Ei aufhält, desto mehr Lehm und Dreck nimmt der Schlaz und die SRT – Ausrüstung auf und auf dem Rückweg sind die Schleifsäcke dann entsprechend schwerer.
Am 14.01.2006 führten Stefan Glaser, Max Wissak, Werner Jantschke und Steffen Hoffmann eine Geo-Tour ins Überraschungs-Ei durch, um die geologischen Schichten aufzunehmen. Hierbei fiel an der Westwand des Ü-Ei 1 ein Fenster auf, das den Zugang in einen möglichen horizontalen Gang erwarten ließ. Am 13.08.2006 begannen Martin und Robert Queitsch mit Armin Schnobrich und Steffen Hoffman den Seilaufstieg. Bei einer weiteren Tour am 16.12.2006 erreichte Martin Queitsch in Begleitung von Christoph Gropp, Steffen Hoffmann und Rainer Bornschlegel neue Gangteile und einen kleineren parallelen Schacht.
Im Rahmen unserer Erkundungstour stiegen wir an dem von Martin Queitsch installierten Seil auf, um die obere Etage in Augenschein zu nehmen:
In einer Höhe von ca. 15 m wird eine Umsteigstelle an der Westseite der Halle erreicht. Hier öffnet sich an der Westseite der Halle das Fenster, das den Zugang zu dem Parallelschacht und einer weiter ansteigenden Horizontaletage ermöglicht. Ein versinterter Gang führt in westlicher Richtung ansteigend bis in die Schichten des Crussoliensis – Mergel. Leider endet dieser Gang nach wenigen Metern.
Allerdings konnten wir von der ersten Umsteigstelle auch den Deckenbereich der Schachthalle näher betrachteten: An der gegenüberliegenden Ostwand war 5m über uns eine weitere Gangfortsetzung zu erkennen.
Leider war inzwischen unser Zeitlimit erreicht und wir mussten uns wieder auf den Rückweg machen. Wir seilten ab und deponierten einen Teil unserer Ausrüstung im Ü-Ei 1. Auf dem langen und beschwerlichen Rückweg entfernten wir noch einige Klemmlöcke aus dem Verbindungsschluf zwischen dem Überraschungsei und dem Nordwest-Siphon um den künftigen Zugang in den Nordwesten zu erleichtern.
Am 07. November 2009 fand die nächste Tour statt. Martin Rüssler erklärte sich bereit uns zu begleiten und zu fotografieren. Wir entschieden uns, zunächst den weiteren Aufstieg im Ü-Ei 1 einzurichten. Schneller und entspannter als bei der ersten Tour im September erreichten wir das Überraschungsei. Die vormaligen Wegebauarbeiten im Verbindungsschluf und Verteilung der Lasten auf 3 Personen machten sich nun bezahlt. Nach einer kurzen Pause und dem Sortieren und Anlegen der SRT – Ausrüstung stiegen wir der Reihe nach am fixen Seil bis zur 1. Umsteigestelle auf. Dort richtete ich mich mit einem dynamischen Kletterseil für den weiteren Aufstieg her: Das Seil wurde an der Umsteigestelle befestigt. Ich sicherte mich selbst am losen Seil durch ein automatisches Sicherungsgerät (Gri-Gri) das ich an meinem Gurt befestigt hatte. Zudem verwendete ich eine Sicherungsschlinge, die jeweils als Redundanz in den vorletzten Sicherungspunkt eingehängt wurde. Zur Fortbewegung verwendete ich 2 Trittleitern und eine abgenähte Sitzschlinge (Daisy-chain).
Von der Umsteigstelle konnte ich rasch an die gegenüberliegende Ostseite der Schachthalle traversieren und konnte nach weiteren 5 m Aufstieg bereits eine Umsteigstelle an einem großen Block einrichten. Nachdem das Seil fixiert war, folgte Rainer mit den Steigklemmen und baute die von mir zur Fortbewegung gesetzten Spits wieder aus. In der Zwischenzeit machte ich mich auf den weiteren Weg nach oben: Über eine schräge Rampe erreichte ich einen Raum mit einer Grundfläche von ca. 8 * 4m und einer Höhe von rund 3m. Bemerkenswerterweise war der Hohlraum nicht durch einen Lösungsprozess innerhalb des Gesteins entstanden: Wände, Decke und offensichtlich auch der Boden bestanden aus ineinander verkeilten Verbruchblöcken aus Massenkalk unterschiedlicher Größe. Die Zeit war bereits wieder weit fortgeschritten – wir tauschten noch das fixierte Kletterseil durch ein Statikseil aus und verließen anschließend zügig die Höhle.
Da zwischen den Verbruchblöcken dunkle Löcher eventuelle Fortsetzungen versprachen, trieb uns die Neugier bald wieder in den Schlot des Ü-Ei 1. Zwischen Weihnachten und Silvester 2009 wollten wir der Sache endlich auf den Grund zu gehen:
Am 29.12.2009 standen Rainer Bornschlegel und ich erneut in der Verbruchkammer. Mit mulmigem
Gefühl im Bauch überquerte ich am Seil gesichert den scheinbar nur aus Blockwerk zusammengesetzten Boden der Kammer. Durch die Löcher zwischen den Gesteinsbrocken konnte man tief den Schacht hinunter blicken. Wir installierten 2 Geländerseile damit wir uns sicher auf dem labilen Untergrund bewegen konnten und begannen zwischen den Blöcken mögliche Fortsetzungen zu erkunden. Leider endeten alle nach wenigen Metern zwischen den Verbruchblöcken oder in Lehmhalden.
Wir entschieden uns daher mit der Vermessung der Kammer zu beginnen. Zunächst wollten wir einen Messzug quer durch die Kammer legen. Gerade als ich den hinteren Messpunkt mit Nagellack markieren wollte, entdeckte ich direkt über mir einen kleinen offenen Durchstieg nach oben, der offensichtlich in einen größeren Raum führte. Wir legten sofort das Vermessungswerkzeug beiseite und kletterten zwischen den Verbruchblöcken nach oben und erreichten nach wenigen Metern den Boden einer stattlichen Kammer. Auch hier handelte es sich um einen Hohlraum zwischen riesigen, verkeilten Blöcken aus Massenkalk. Der Boden war zu Glück nicht so instabil wie in dem unteren Raum, so dass wir uns auch ohne Geländersicherung frei bewegen konnten. In der Kammer war ein leichter Luftzug spürbar. An einigen Stellen, wo der Luftzug über die Verbruchblöcke strich, war deren Oberfläche mit einer Schicht aus kleinen weißen Kristallnadeln überzogen. Am hinteren Ende der Kammer fanden wir noch eine weitere Fortsetzung zwischen den Verbruchblöcken. Auch in dem weiterführenden Gang war deutlich eine Bewetterung wahrzunehmen. Ebenso wie die Kammer, war auch der Gang lediglich ein Hohlraum im Verbruch.
Bei einer späteren Vermessungstour stellten wir fest, dass wir mit der Fortsetzung über dem Ü-Ei 1 eine Höhe von 45 m über dem Niveau des Höhlenbachs am Nordwestsiphon und damit einen neuen Höhlengipfel von ca. 435m ü.NN erreicht hatten. Leider fehlen bis zur Oberfläche immer noch 45 m. Wir bewegten uns im Überraschungs-Ei 1 ziemlich genau am Rand der Pestenrainer Mulde. Das Ü-Ei 1 liegt genau unter der Infotafel Nr. 10 des höhlenkundlichen Wanderweges. Ich habe mir die Stelle um die Infotafel Nr. 10 im Winter bei Neuschnee sehr genau angesehen: Irgendwo müsste doch der von uns festgestellte Luftzug zu erkennen sein – Ich habe nichts gefunden – und bis zu den Dolinen ist es noch ziemlich weit…
Wir unternahmen in diesem Höhlenteil keine weiteren Erkundungen zwischen den Verbruchblöcken sondern konzentrierten uns gleich auf die weiteren noch unerforschten Schlote über dem Ü-Ei 2 und dem Neumonddom.
Am 25.04.2010 unternahmen wir eine weitere Erkundungsbefahrung der Nordwestlichen Höhlenteile bis zum Neumonddom. Der Neumonddom stellt eine beeindruckende kuppelartige Halle mit einer Höhe von 17 m dar. Genau an der Spitze der Kuppel ist ein senkrechtes rundes Gangprofil erkennbar. Rainer Bornschlegel und ich entschieden uns, zunächst den Schacht über dem Neumonddom zu erkunden, denn gegenüber dem noch unbefahrenen Schlot im Ü-Ei 2 hofften wir hier weniger Verbruch anzutreffen. Zudem sah der Schacht im Neumonddom wesentlich einfacher und einladender aus als der steile und überhängende Kamin im Ü-Ei 2. Ich rechnete damit, dass der Schacht im Neumonddom größtenteils in freier Kletterei relativ schnell zu bewältigen sei.
Samstag, 27.11.2010. Treffpunkt bereits um 8.00 Uhr am Haus des Gastes.
Klaus Groß und Dieter Gebelein begleiten Rainer und mich in den Neumonddom. Wir bereiten unser Material vor und verteilen die Lasten auf 4 Schleifsäcke. Kurz vor 9 Uhr fahren wir in die Höhle ein und machen uns auf den langen und beschwerlichen Weg ans nordwestliche Höhlenende: Man passiert das Ü-Ei 1, das Ü-Ei 2 und erreicht durch einen schlammigen Schluf die Trichterhalle.
In der Halle erfolgt über den namensgebenden Trichter aus großen Verbruchblöcken der Zustieg zum darunterliegenden Schacht über der Auftauchstelle des Nordwestsiphon 1. Der Zustieg durch den Trichter wird auch sehr treffend als „Mausefalle“ bezeichnet und stellt die psychologische Schlüsselstelle auf dem Weg in den Neumonddom dar. Wenn ich die Stelle im Abstieg erfolgreich hinter mich gebracht hatte, beunruhigte mich im Neumonddom immer der Gedanke an den Rückweg durch die „Mausefalle“.
Weil die im Schacht eingebaute Drahtseilleiter durch Korrosion beschädigt war und mehrere Sprossen durchgebrochen waren, ersetzten wir die Drahtseilleiter durch ein Statikseil. Somit muss nun bereits in der Lehmtrichterhalle die SRT- Ausrüstung angelegt werden und durch den Trichter abgeseilt werden.
Nachdem alle Teilnehmer durch den Trichter abgeseilt hatten, reinigten wir im Siphon unsere Ausrüstung und unsere schlammigen Schlaze und ließen uns zu einer kurzen Brotzeit nieder. Nach der Pause begann ich von Dieter gesichert an der südwestlichen Begrenzungswand mit der Besteigung des Schachtes. Da die Wand leicht geneigt war konnte ich tatsächlich die Hälfte des Schachtes in freier Kletterei bewältigen: Die gebankten Schichten waren durch das Tropfwasser blitzsauber und boten gute und stabile Griffe und Tritte. Unterwegs setzte ich 2 Spits zur Sicherung. Bald wurde der Schacht steiler und ich musste in technischer Kletterei von Spit zu Spit weiter aufsteigen. In einer Höhe von ca. 15 m erreichte ich eine kleine Kanzel. Hier richtete ich eine Umsteigstelle ein und seilte wieder nach unten ab.
Wir wechselten den Akku der Bohrmaschine und Rainer machte sich auf den Weg um den weiteren Aufstieg von der Umsteigestelle in den erkennbaren Gangansatz einzurichten. Von der Kanzel musste Rainer in technischer Kletterei zunächst nach links traversieren und dann nochmal 4 – 5m aufsteigen. In dieser Höhe war eine parallele Fortsetzung des Schachtes südlich des Neumonddoms erkennbar.
Plötzlich klimperte es laut an der Decke der Halle und Rainer schaukelte im Seil. Er war ca. 2m gestürzt – der Bohrhaken war mit dem Felsen ausgebrochen und Rainer war in das Seil gestürzt. Bis auf einen gewaltigen Schrecken war zum Glück nichts passiert. Schnell wurden noch die letzten Meter eingerichtet und wir konnten mit der Erkundung des Schachtes beginnen:
Südwestlich der letzten Umsteigstelle erreichten wir eine ca. 2*2m große Kammer. Der Hauptschacht setzte sich in südlicher Richtung ansteigend fort. Ich versuchte in freier Kletterei weiter aufzusteigen und einen Klemmblock zu überwinden. Hinter dem Klemmblock war jedoch der Schacht stark verlehmt und innerhalb kürzester Zeit war ich total verdreckt und aktionsunfähig. Nun versuchte Rainer hinter dem Klemmblock aufzusteigen und konnte mit gemeinsamer Unterstützung die Engstelle passieren. Er stieg noch weiter auf und berichtete, dass der Schacht noch weitere 10 m nach oben führen würde und sich dort nochmals verzweigen würde. Die gerade Fortsetzung endete nach wenigen Metern. Rainer untersuchte noch ein seitliches, in südlicher Richtung ansteigendes Röhrenprofil. Nach wenigen Metern wurde das Profil weiter um schließlich von einem eingekeilten Block abgesperrt zu werden.
Inzwischen war bereits wieder nach 18 Uhr und wir mussten den Rückweg antreten. Besonders zeitaufwändig gestaltete sich der Aufstieg durch die Mausefalle und Dieter musste zum Taschenmesser greifen um sich des einklemmten Schleifsacks zu entledigen. Wir legten in der Lehmtrichterhalle ein umfangreiches Materialdepot für die nächste Tour an und machten uns auf den langen Weg nach draußen. Um 23.00 Uhr erreichten wir erschöpft und müde den Höhlenausgang und freuten uns sehr über die späte Brotzeit im Gasthof Kornprobst.
Leider hatten wir es nicht mehr geschafft, den Schacht gleich mit zu vermessen, deshalb musste eine weitere Tour in den Neumonddom geplant werden. Ein Termin im Winter 2011 musste witterungsbedingt abgesagt werden: Die Schneeschmelze hatte dermaßen stark eingesetzt, dass in Deising sogar der Hungerbrunnen ausgebrochen war.
Angesichts des Hochwassers mussten wir damit rechnen, dass der Zugang zum Nordwesten vollständig siphoniert war. Deshalb verschoben wir die Befahrung des Neumonddomes bis auf weiteres und dokumentierten stattdessen das Hochwasser im Eingangsbereich der Höhle.
Weil die Touren zum Neumonddom so anstrengend und lang sind haben Rainer und ich vereinbart, die Befahrungen nur an Samstagen durchzuführen, um am Sonntag noch genügend Zeit zur Regeneration zu haben. Weil wir beide Familie, Kinder und Beruf haben ist es deshalb manchmal schwierig einen gemeinsamen Termin zu finden. Deshalb dauerte es bis zum 03.09.2011 bis wir uns wieder auf den Weg zum Neumonddom machten.
Wir planten eigentlich nur die Vermessung der bereits befahren Teile des Neumondschlotes und hatten daher relativ wenig Gepäck dabei. Deshalb packten wir bereits 2.5 Stunden nach Betreten der Höhle die Brotzeit im Neumonddom aus. Nach der Pause begannen wir wie üblich mit der Arbeit: Ich stieg mit dem Ziel auf, die übrigen 15 m des Statikseils oberhalb des Verbruchblocks zu verankern. Rainer folgte um den Schacht zu vermessen. Die verlehmte Stelle hinter dem Block wollte mir erneut Schwierigkeiten machen, aber ich setzte einen Spit und konnte die Stelle mittels Trittleiter überwinden. An der Abzweigung des seitlichen Röhrenprofils richtete ich die obere Verankerung mit 2 Spits ein. Derweil hatte Rainer die untere Schachtkammer mit den Meßzügen erreicht. Ich hängte meine Sicherungsschlinge, mein Abseilgerät und meine Handklemme an das Seil und stieg in das Röhrenprofil ein.
Nach 2 m wurde die Röhre etwas weiter und ich konnte mich umdrehen. Mir fiel auf, dass die Wände saubergespült waren. Über mir erkannte ich den Verbruchblock: Eine ca. 0,5 m² große Platte klemmt in der Röhre und engt diese ein. Zunächst einmal klopfte ich ganz vorsichtig an die Platte – vielleicht krieg ich sie ja raus? Es rührte sich nichts. Ich klopfte etwas fester und versuchte die Platte anzuheben – wieder nichts – vielleicht komm ich ja auch vorbei? Vorsichtig schob ich meinen Kopf an der Platte vorbei – sie rührte sich zum Glück noch immer nicht. Über der Platte riskierte ich einen Blick nach oben: Das Röhrenprofil öffnete sich zu einer runden Kammer mit ca. 2 m Durchmesser.
Die Wände waren blitzsauber ausgewaschen und der Boden war über und über mit dunklen Flußgeröllen, wie sie auch im Bett des Höhlenbachs zu finden sind, bedeckt. Ich stützte mich mit den Ellenbogen ab um in die Kammer einzusteigen als ich bemerkte, dass die Flußgerölle ins rutschen gekommen waren. Ich konnte gerade noch Rainer unter mir warnen und schon prasselte die Ladung durch den Schacht hinunter. Rainer hatte in einer seitlichen Auskolkung einen sicheren Unterstand gefunden, deshalb räumte ich weiteres Geröll ab. Anschließend sah ich mir den weiteren Verlauf an:
Aus der Kammer führte ein stark zerlaugter Horizontalgang mit teilweise ausgeprägten Auskolkungen in südöstlicher Richtung weiter. Ich konnte dem engen und verwundenen Gang 6 – 7 m folgen bis ich zu einer scheinbar unpassierbaren Engstelle kam.
Allerdings war hinter der Engstelle deutlich ein größerer Raum zu erkennen in dem man wohl ohne Probleme stehen konnte. Ich drehte mich um und kehrte zu der Kammer zurück um Rainer zu informieren. Rainer legte das Vermessungswerkzeug beiseite um sich selbst ein Bild zu machen. Wir kamen zu dem Ergebnis, dass sich die Engstelle ohne größeren Aufwand erweitern ließe. Eventuell wäre zu prüfen, ob die Engstelle ohne Schachtausrüstung bewältigt werden könne. Inzwischen war wiederum das Zeitlimit erreicht und wir machten uns auf den Rückweg. Dank der aufgenommenen Meßzüge konnten wir nach der Tour erkennen, dass wir uns vom Neumonddom nach Südosten Richtung Ü-Ei 2 bewegt hatten. Laut Vermessung fehlten uns nur noch 10 m bis zum Schacht des Ü-Ei 2.
Für die nächste Tour am 14.01.2012 konnten wir Steffen Hoffmann als erfahrenen Neulandhasen gewinnen, uns zum Schacht im Neumonddom zu begleiten.
Martin Rüssler und Dieter Gebelein hatten für diesen Tag eine Tour zu den Datenloggern geplant und kamen deshalb bis kurz vor den Schatzkammersiphon mit.
Unsere Erwartungen waren groß: Wir hofften, einen Durchstieg vom Neumonddom zum Ü-Ei 2 zu finden und beschlossen, eine Bierdose im Ü-Ei 2 als Motivationsschub zu deponieren. Leider überlebte die Dose den Transport im Schleifsack nicht lange und musste deshalb schon im Hyperraum zurückgelassen werden.
Nachdem wir uns am letzten Datenlogger von Martin und Dieter verabschiedet hatten, stießen wir weiter bis zur Lehmtrichterhalle und legten dort bei unserem Materialdepot eine ausgedehnte Pause ein. Anschließend seilten wir durch die Mausefalle zum Siphon ab und begannen nach einer gründlichen Reinigung mit dem Aufstieg in den Schacht über dem Neumonddom. Ich hatte erneute Schwierigkeiten mit der verlehmten Engstelle hinter dem Klemmblock und konnte die Stelle erst nach mehreren kraftraubenden Anläufen mit der Trittleiter überwinden. Rainer und Steffen waren bereits vor mir und legten in der Kammer ihre Schachtausrüstung ab. Ohne Schachtausrüstung konnte Rainer die Engstelle problemlos passieren und in den bereits einsehbaren Raum vordringen: „Oh das sieht ganz gut aus – und ich kann etwas schachtartiges erkennen!“
Steffen reichte Rainer den Hammer und den Meißel durch und mit wenigen Schlägen konnte Rainer die Engstelle öffnen, dass sie nun problemlos zu passieren war. Steffen und ich kamen nach und schauten uns neugierig um:
Der erreichte Raum hinter der Engstelle war im Massenkalk angelegt. Wir hatten wohl die unteren Schichten des Malm Delta erreicht. Auffällig waren die vielen dunklen Hornstein-Einlagerungen im umgebenden Gestein. Auch am Boden, der größtenteils sauber gespült war, lagen viele Hornsteine. Stammen die Gerölle im Bachbett der Mühlbachquellhöhle vielleicht aus den nicht zersetzten Hornsteinen aus diesen Schichten? Die Raumformen machten einen sehr zerlaugten Eindruck und erinnern an fossile fränkische Höhlen. Am Boden war ein trocken gefallener, ehemaliger Wasserlauf zu erkennen. Offensichtlich war hier Wasser in nordwestlicher Richtung (zum Neumonddom) abgeflossen. Ca. einen halben Meter über dem Wasserlauf war an der südlichen Begrenzungswand ein ca. 10 – 15 cm breiter Sedimentstreifen aus den verfestigten, dunklen Flussgeröllen zu erkennen. Offensichtlich war der Gang bis zu dieser Höhe mit Sedimenten verfüllt.
Die Verfüllung wurde entweder durch fließendes Wasser abtransportiert oder war, wie Steffen vermutete, aufgrund einer Absenkung des Höhlenbodens verschwunden. Im weiteren Gangverlauf war nämlich zu erkennen, dass der Boden, ähnlich wie über dem Ü-Ei 1, aus ineinander verkeiltem Verbruch bestand. Mitten in der Kammer lag das von Rainer Bornschlegel entdeckte schachtartige Loch mit einem Durchmesser von ca. 70 cm. Wir ließen einige Steine in das Loch fallen und stellten erfreut fest, dass sich unter uns wohl ein größerer Raum befinden musste. Wir erkundeten den weiteren Verlauf und entdeckten einen kurzen Rundgang mit einer ansprechend versinterten Spalte. An den Wänden entdeckte Steffen fossile Korallen.
Mir fiel eine dunkle Stelle im Gestein auf, die mich an die Spurenfossilien in den Kalkbänken an der Schichtgrenze Malm Beta/Gamma erinnerte.
Im weiteren Gangverlauf fanden wir hinter einem Überstieg über einen schmalen Felsgrat einen weiteren nach unten führenden Schacht. Dieser wies einen größeren Durchmesser als der vordere Schacht auf, allerdings hingen in der oberen Schachtöffnung einige größere Blöcke, die einen sehr instabilen und gefährlichen Eindruck erweckten. Rainer konnte 2 von ihnen auslösen. Trotzdem beratschlagten wir, den vorderen Schacht mit einem Seil einzurichten. Die weitere Erkundung führte uns durch einen lehmigen Schluf in eine Kammer. Diese dürfte südöstlich des Ü-Ei 2 über der Lehmtrichterhalle liegen. Am Boden war auch hier ein trockener Wasserablauf nach Südosten zu erkennen. Eventuell besteht hier eine hydrologische Verbindung zum Kristallsee?
Dies würde bedeuten, dass innerhalb des von uns entdeckten Höhlenteils eine Wasserscheide zwischen dem Neumonddon und dem Kristallsee liegt. Die Begrenzungswände der Kammer und der gesamte Deckenbereich bestanden ähnlich wie die Höhlenteile über dem Ü-Ei 1 aus großvolumigen Verbruchblöcken aus Massenkalk. Ob hier ein Durchgang zu weiteren Höhlenteilen oder zu einer höheren Etage möglich ist, wäre bei künftigen Touren zu prüfen. Wir mussten uns nun an unsere Arbeit machen: Steffen und Rainer begannen mit der Vermessung der neuen Räume und ich richtete die Abseilstelle am vorderen Schacht ein.
Wir hatte nur ein dynamisches Seil dabei. Deshalb richtete ich mit 2 Spits die Abseilstelle ein und seilte an dem Kletterseil ab. Nach wenigen Metern öffnete sich der Raum flaschenhalsartig und ich hing frei am Seil. Tatsächlich öffnete sich unter mir die beeindruckende Schachthalle des Ü-Ei 2. Wir hatte tatsächlich die obere Verbindung zwischen dem Neumonddom und dem hinteren Ü-Ei gefunden. Nach unserem ursprünglichen Plan wäre dort jetzt eine volle Bierdose gestanden…
Unten angekommen machte ich mich auf den Weg zur Lehmtrichterhalle und packte unser gesamtes Materialdepot ein. Da der künftige Anstieg direkt vom Ü-Ei 2 bewältigt werden kann, wird das Depot in der Lehmtrichterhalle künftig nicht mehr benötigt. Ich zerrte das Gepäck durch den Schluf zurück ins Ü-Ei 2 und stieg mit einem Statikseil zurück zu Steffen und Rainer. Schnell waren die Seile gewechselt und ein Geländerseil über dem labilen Boden eingebaut. Wieder war die Zeit weit vorangeschritten und wir mussten an den Rückweg denken. Weil ohnehin eine weitere Vermessungs- und Erkundungstour notwendig ist, brach Rainer die Vermessung des Neulandes ab und versuchte stattdessen die Anschlussmessung durch den Schacht auf die Meßpunkte im Ü-Ei 2. Wie sich später herausstellte, hat der Ringschluss zwischen den Meßpunkten im Neumonddom und dem Ü-Ei 2 hervorragend funktioniert!
An meiner Lampe hatte sich eine Schraube gelockert, so dass ich befürchtete, meinen Lampenkopf zu verlieren. Die praktisch veranlagten und pfiffigen Schweizer Lampenbauer haben zum Glück so große Schlitzschrauben verwendet, dass man sie problemlos mit dem üblichen Höhlenforscherwerkzeugen (Brecheisen) problemlos wieder fest ziehen kann.
Wir seilten uns der Reihe nach ins Ü-Ei 2 ab und machten uns müde und erschöpft aber sehr glücklich über unsere Entdeckung auf den Weg nach draußen. Um 21.15 Uhr verließen wir nach diesem langen Tag die Höhle.
Eine weitere Tour ist notwendig, um die noch fehlende Vermessung der oberen Etage fertig zustellen. Zudem bieten die Verbruchblöcke (wie auch über dem Ü-Ei 1) noch ein interessantes Potential für Entdeckungen. Interessant sind sicherlich auch genauere Untersuchungen der vorgefundenen Fossilien und der Hornsteine.
Es gibt noch viel Spannendes zu tun im Nordwesten!
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Hochwasserbefahrung der Mühlbachquellhöhle
Von Jochen Pesahl / 02/2011
Aufgrund der vorhergehenden Schneeschmelze und Regenfälle blieb auch dieses Jahr (2011) ein verhältnismäßig zünftiges Hochwasser nicht aus. Der Mühlbach war bei der Ankunft am Haus des Gastes erwartungsgemäß eine kaffeebraune, undurchsichtige Brühe und der Wasserstand doch deutlich höher als sonst. Von der Hochfläche eingeschwemmter Schlamm von Wald und Feldern hatte das Wasser des sonst so klaren Baches wenig einladend gefärbt. Der Scheitel des Hochwassers war bereits etwa zwei Tage zuvor eingetreten, an den Stufen der Treppe konnte man anhand des abgelagerten Schlamms erahnen, wie hoch der maximale Wasserstand gewesen ist.
Da das Hochwasser bereits abklang, beschloss man eine Befahrung der Höhle, so weit dies eben möglich war. Bereits der erste Halbsiphon stelle eine sehr große Hürde dar, da dieser nun komplett vollgelaufen war und kein Luftspalt mehr zwischen Decke und Wasser das sichere Überwinden gewährleistete. So musste man hier einige Meter durch die eiskalte Brühe tauchen. Überraschenderweise kam das Wasser, welches den Halbsiphon schloss nicht vom Mühlbach selbst, sondern plätscherte aus einer unscheinbaren, stark korrodierten Deckenröhre. Beim Einbiegen in die eingangsnahe Mühlbachpromenade wehte bereits eine Priese nach Dung und Odel in unsere Nasenflügel. Die Landwirtschaft geht halt auch an der Höhle nicht ganz vorbei, besonders zu Hochwasserzeiten. Es kostete einige Überwindung den ersten Fuß in das etwas beißend riechende Brackwasser zu setzen.
Am Ende der Mühlachpromenade lief zur großen Verwunderung rechts Wasser aus einer verschwemmten Druckröhre – diese Stelle ist ausschließlich bei Hochwasser aktiv. Zur Freude aller war der etwa 10m lange Hauptgangsiphon nicht vollständig geflutet, durch einen schmalen Luftspalt konnte man bis zur anderen Seite mit der Nase an der Decke pappend atmen. Hinter dem Halbsiphon sammelten sich in der Ecke lustige, meterhohe Schaumberge, deren Konsistenz man jedoch nicht einmal erahnen will. Angekommen im Donnerdom wurde die gesteigerte Fließgeschwindigkeit des Wassers deutlich, der Wasserfall war wesentlich schwieriger als sonst zu überwinden. Es wurde auch das erste mal das Notseil mit einer Boje als Steighilfe ausgeworfen. Mittlerweile hatte man sich bereits fast an den muffigen Geruch des Wassers gewöhnt.
Der Weiterweg verlief relativ problemlos, auf einen Bootsausflug in den Ostgangs wurde wegen des starken Seegangs verzichtet. Der Bach im Nordgang war merklich breiter und überdeckte stellenweise die Sandbänke. Am Maulwurfsiphon angekommen wurde der, durch das Hochwasser bereits stark zusedimentierte Unterwasserschluf wieder ausgegraben und anschließend sicherheitshalber zum Rückzug geblasen. Auf dem Rückweg wurden noch der Blaue Siphon und der Raupensiphon untersucht. Der Blaue Siphon war glasklar und scheint im Gegensatz zum Raupensiphon keinen Kontakt mit dem Bachwasser zu haben. Der aus gutem Grund selten befahrene Zustieg zum Raupensiphon war wieder ein spannendes Erlebnis: eine sauenge Deckenröhre in der Mühlachpromenade, welche zu allem Überfluss noch auf 3m Höhe liegt. Hier kämpft der Höhlenforscher am Einstieg nicht nur horizontal sondern auch vertikal mit seinem Bierbauch. Später wurde noch, mit einem leichten Eigengeruch ausgestattet, über das Erlebte bei Bier und Schweinsbraten im nahen Wirtshaus resümiert.

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Siphons in der Mühlbachquellhöhle
Der Hauptgang der Mühlbachquellhöhle zweigt sich am so genannten Bermuda-Dreieck in den Ostgang und den Nordgang auf. Der Nordgang wiederum teilt sich an der Arena in den Nordostzweig und den Nordwestzweig. Alle drei Hauptzweige enden in Siphonketten. Deshalb spielen die Siphonketten eine bedeutende Rolle bei der Betrachtung der Fortsetzungsmöglichkeiten der Mühlbachquellhöhle.
Neben den Siphonketten gibt es noch zahlreiche einzelstehende Siphons, vornehmlich in den eingangsnahen Höhlenteilen.
Die Ostsiphons
Der Ostgang hat die größte Wasserschüttung von den drei Hauptzweigen der Mühlbachquellhöhle. Durchwegs großräumige Siphons mit Längen zwischen 15m und 80m und Tiefen von 3m bis 8m wechseln mit Passagen über Wasser, die jeweils zwischen 50m und 100m lang sind. Ausnahmen sind längere Gangabschnitte über Wasser zwischen Ostsiphon 2 und 3 mit 250m Länge, und der ca. 400m lange Überwassergang am derzeitigen Höhlenende. Der Ostgang endet in einem riesigen Versturz. Im Hinblick auf andere wesentlich leichter erreichbare Gangverstürze in der Mühlbachquellhöhle dürfte dieses Hindernis wohl nicht allzu schnell überwunden werden. Material zur Abstützung eines Stollens müssten durch die bis dahin insgesamt ca. 350m Tauchstrecke gebracht werden. Auffallend in der Ostsiphonkette ist das starke Gefälle zwischen einigen Siphons. Auf blankem Felsboden gibt es dort immer wieder kleine Wasser-Kaskaden. In fast allen Auftauchbereichen gibt es Kamine, die auf eine Erkundung warten.
Die Nordostsiphons
Die Siphons am Ende des Nordostgangs sind zwar die kleinräumigsten der drei Siphonketten, aber trotzdem zumeist für den Taucher komfortabel passierbar. Die Wasserschüttung ist nur knapp ein Zehntel der Wasserschüttung im Ostgang. Die Tiefe ist durchwegs nur maximal 2-3m bis auf eine Ausnahme, dem so genannten Menschenfresser: Ein lehmiger Abstieg mit mehreren Engstellen führt in über 9m Tiefe. Dahinter steigt ein größerer Schacht wieder auf die übliche Tiefe an. Die langen Siphons des Nordostgangs sind zwischen 50m und 125m lang. Im Anfangsbereich gibt es zwischendurch noch einige kleinere Siphons mit 5-20m Länge. Das Ende des Nordostgangs ist ein wesentlich kleinräumigerer Siphon, der wegen der Enge nur äusserst schwierig weiter zu betauchen wäre. Wegen dem stark reduzierten Querschnitt gegenüber dem bisherigen Gang dürfte der Siphon auch keine allzu bedeutende Fortsetzung des Nordostgangs mehr sein. Interessanter ist wahrscheinlich ein riesiger Kamin, der in der letzten Auftauchstelle nach oben führt, der Dolinenaufzug. Bis dahin müssten aber weit mehr als 250m Unterwasserstrecken mit umfangreicher Kletterausrüstung im Gepäck überwunden werden.
Die Nordwestsiphons
Trotz der noch geringeren Wasserschüttung gegenüber dem Nordostgang sind die Nordwestsiphons wesentlich geräumiger als die Nordostsiphons. Drei Siphons mit den Längen 50m, 30m und 60m, sowie Tiefen zwischen 3m und 6m, sind unterbrochen durch zwei 50m und 80m lange Landpassagen mit einigen Hallen. Der erste Siphon ist der einzige Siphon einer der Siphonketten, der durch die Entdeckung eines überlagernden Höhlenteils umgangen werden konnte. Die Umgehung eignet sich wegen vieler sehr enger Passagen aber nicht für Tauchvorstöße, sondern gibt allenfalls mehr Sicherheit für den Notfall. Bei Tauchaktionen muss der Siphon trotzdem durchquert werden. Der unübersichtliche erste Nordwestsiphon hat einen Unterwasserabzweig, der mit Lehmboden bis in 9m Tiefe hinabführt. Am unpassierbaren Endpunkt deutet sauber gespülter Kies auf eine gelegentliche Wasserzufuhr hin. Der zweite Nordwestsiphon ist der großräumigste, und erinnert schon fast an die Dimensionen im Ostgang. Der Nordwestgang endet im 60m langen dritten Siphon. Der Sedimentboden steigt bis knapp unter die Decke an, und macht den Unterwassergang unpassierbar. Es ist fraglich, ob im dritten Siphon bei Normalwasserstand überhaupt noch eine Wasserführung stattfindet. Eine Unterwassergrabung mit 60m Siphon im Rücken wäre nicht ganz ohne Risiko.
Einzelstehende Siphons
Die größte Bedeutung von den einzelstehenden Siphons hat der Maulwurfsiphon im Nordgang, da durch ihn mehrere Kilometer Höhlengänge im Norden zugänglich sind. Der Siphon war fast vollständig mit Sedimenten verfüllt, und wurde unter Wasser ausgegraben, so dass man jetzt auf dem Bauch rutschend mit einer kleinen Tauchflasche in der Hand durchtauchen kann. Nach großen Hochwässern muss der Siphon häufig wieder von Sedimenten befreit werden. Durch eine gewisse Übung stellt der Siphon für alle, die in den hinteren Teilen des Nordgangs forschen, schon lange kein Problem mehr dar.
Der verzweigte Eingangsbereich mit der komplizierten Wasserführung weist etliche kleinere Siphons mit Längen zwischen 1m und 20m auf. Viele Siphons sind durch andere Gänge umgehbar, wurden aber alle mindestens einmal durchtaucht. Eventuelle Fortsetzungsmöglichkeiten gibt es durch extrem enge Siphons in Richtung der Quellaustritte der Mühlbachquellhöhle. Einige Siphons des Eingangsbereichs enden unter Wasser und haben keine weitere Auftauchstelle.
Tauchtechnik und Vermessung
Wegen der geringen Tiefe kann überall mit Pressluft getaucht werden. Dekompressionsphasen sind nicht erforderlich. Erschwerend sind dagegen die langen Transportwege, um die Siphonzonen zu erreichen, und die häufig unwegsamen Abschnitte zwischen den Siphons, die mit der schweren Tauchausrüstung überwunden werden müssen. Bewährt hat sich das Anlegen von Materialdepots vor geplanten Tauchaktionen, so dass am Tag der Hauptaktion möglichst wenig Transporte durchgeführt werden müssen.
Alle Siphons sind mit Orientierungsleinen versehen, die aus 6mm Reepschnüren bestehen. Neben der Orientierung in dem beim Rückweg stets trüben Wasser, dienen die Leinen auch der Vermessung. Es hat sich gezeigt, dass die Vermessung der Siphons enorm erleichtert werden kann, wenn jeder Meter der Leine markiert ist. Neuere Leinen in der Mühlbachquellhöhle sind deshalb mit Meterzahlen numeriert.
Die Unterwasservermessung stellt wegen der durch den Luftvorrat begrenzten Zeit eine Herausforderung dar. Genauso wichtig wie die Erschließung der Siphons war deshalb auch das Experimentieren mit verschiedenen Vermessungsmethoden. Mit einem speziell von Robert Queitsch für die Höhlenvermesung entwickelten elektronischen Kompass mit Tiefenmesser, kann während dem Tauchgang durch einfaches Betätigen von Schaltern Neigung, Richtung, Tiefe und Länge der Tauchleinen abschnittsweise gespeichert werden. So ergeben sich vollständige Messzüge. Die Umriss und Detailvermessung kann ohne Zeitdruck zu Hause anhand von Videoaufnahmen erstellt werden, die während dem Tauchgang gemacht wurden. Zur Ermittlung der Größenverhältnisse wird ein vorausschwimmender Taucher gefilmt, der einen Gegenstand mit bekannter Größe trägt.


































































