Zwischenbericht zur Biospeläologie in der Mühlbachquellhöhle

Seit dem 1.Mai 2012 arbeite ich an der Erfassung des biospeläologischen Inventars der Mühlbachquellhöhle. Stefan Zaenker, der Leiter des Biospeläologischen Katasters in Hessen hat sich freundlicherweise bereit erklärt, das Projekt zu unterstützen. Er hat meine Proben aus den Barberfallen sowie die Handaufsammlungen vorsortiert und soweit möglich bestimmt. Diese Ergebnisse liegen in Form einer vorläufigen Taxaliste vor.

Gleich hinter der Metalltür, die den Zugangsstollen von der Außenwelt trennt, hat sich eine Meta menardi, eine Große Höhlenspinne, niedergelassen. Bis 1,5 cm groß kann die Art werden und ist an den zwei dunklen Flecken auf dem Hinterleib und dem glänzenden, kugeligen Körper gut zu erkennen. Metas können zwei bis drei Jahre alt werden. 2012 war sie ‚Höhlentier des Jahres‘. Der Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher e.V. will mit dieser Aktion die Öffentlichkeit auf die kaum bekannte Artenvielfalt in unterirdischen Lebensräumen aufmerksam machen. http://www.hoehlentier.de/

Meta menardi

Relativ eingangsnah, dort, wo der Zugangsstollen sich zum natürlichen Hohlraum weitet, an Decke und Seitenwänden saßen Wegdornspanner, auch Höhlenspanner genannt. Triphosa dubiata ist ein Falter, der man in fast jeder Höhle, aber auch in Felsspalten und Straßenunterführungen findet. Die Nachtfalter werden bis 4 cm groß, sind gesellig, grau-silbern mit Wellenmuster, sitzen flach an der Wand und bilden Dreiecke mit den Flügeln. Hier habe ich kein Exemplar gesammelt, die Tiere sind allgemein gut bekannt und erforscht.

Wegdornspanner

Zoologisch lässt sich der Wegdornspanner wie folgt einordnen:

Klasse Insecta (Insekten)

Ordnung Schmetterlinge (Lepidoptera)
Familie Spanner (Geometridae)
Unterfamilie Larentiinae
Gattung: Triphosa
Art Triphosa dubiata (Wegdornspanner)

Im Sommer fanden sich im gleichen Bereich eine stattliche Anzahl von Rheinschnaken(Limonia nubeculosa). Sie gehören zur Familie der Stelzmücken und werden bis 10 mm groß.
Rheinschnake Charakteristisch sind sehr lange Beine und gepunktete Flügel. Diese Mücken sind in den Sommermonaten übliche und weitverbreitete Höhlenbewohner. Sie treten in den Eingangs- und Übergangsbereichen oft massenhaft auf.

Einige Meter tiefer in der Höhle wurde die erste Barberfalle platziert. Das verwendete Marmeladenglas wurde zu ca. einem Drittel mit Spiritus gefüllt, um die Objekte zu konservieren. Weiter Fallen wurden im Jenseitsgang, im Didgeridoo und am Abzweig zur Königskammer eingegraben.

Hier im eingangsnahen Bereich fand sich die meiste Vielfalt. Ich fing unter anderem einen Tausendfüsser, genauer gesagt Unterklasse Doppelfüsser (Diplopoda). Sie haben – im Gegensatz zu den Hundertfüssern (Chilopoda) – zwei Beinpaare an jedem Segment. Es fanden sich auch Scheufliegen und die oben beschriebene Stelzmücken.In den Sommermonaten fielen außerdem zahlreiche Buckelfliegen (Phoridae) und Trauermücken (Sciaridae) auf, die wir auch in den Fallen in allen beprobten Höhlenteilen nachweisen konnten. Beide gehören zur Ordnung der Zweiflügler (Diptera). Buckelfliegen sind kleine, ein bis sechs Millimeter große Fliegen, mit unverwechselbarer Flügeladerung. Der Thorax ist buckelförmig gewölbt. Die Tiere ernähren sich von abgestorbenem, organischem Material.

phoridae

Natürlich leben auch Springschwänze (Collembola) in der Mühlbachquellhöhle. Auf der Erde gibt es schätzungsweise 50.000 Arten von Collembolen. Sie ernähren sich von zerfallenden, pflanzlichen Stoffen, von Exkrementen oder Aas.

Stefan Zaenker hat alle gesammelten Tiere bis zur Ordnung bestimmt, viele davon sogar bis zur Familie und einige bis zur Art. Die Lücken und Fragezeichen in der Taxaliste werden von entsprechenden Experten, an die die Proben zur endgültigen Klassifizierung gesandt wurden, noch geschlossen. Ich bin schon sehr gespannt, aber bis wir diese detaillierten Ergebnisse erhalten, kann es aber noch eine ganze Weile dauern. Die ersten Sammlungen erfolgten 2004 (Proasellus cavaticus), das Datum der Bestimmung war 2007 und 2008. Also Geduld!
Die Barberfallen werden erstmal eingemottet; aber ich werde bei Befahrungen weiterhin Proben sammeln und versuchen, mehr über den Wurm, der so offensichtliche Spuren hinterlässt, herauszufinden.

Taxaliste

Stamm Klasse Ordnung Familie Art
Arthropoda
Gliederfüßer Crustacea
Krebse, Krebstiere Isopoda
Asseln Aselidae
Wasserasseln Proasellus cavaticus
Höhlenwasserassel
Arthropoda
Gliederfüßer Insecta
Insekten Coleoptera
Käfer ? ?
Arthropoda
Gliederfüßer Insecta
Insekten Coleoptera
Käfer Staphylinidae
Kurzflügelkäfer, Kurzflügler, Raubkäfer, Raubkurzkäfer ?
Arthropoda
Gliederfüßer Insecta
Insekten Collembola
Springschwänze ? ?
Arthropoda
Gliederfüßer Insecta
Insekten Diptera
Zweiflügler ? ?
Arthropoda
Gliederfüßer Insecta
Insekten Diptera
Zweiflügler Heleomyzidae
Dunkelfliegen, Scheufliegen ?
Arthropoda
Gliederfüßer Insecta
Insekten Diptera
Zweiflügler Limoniidae
Stelzmücken, Sumpfmücken Limonia nubeculosa
Rheinschnake
Arthropoda
Gliederfüßer Insecta
Insekten Diptera
Zweiflügler Phoridae
Buckelfliegen, Randnervfliegen, Rennfliegen ?
Arthropoda
Gliederfüßer Insecta
Insekten Diptera
Zweiflügler Sciaridae
Trauermücken ?
Arthropoda
Gliederfüßer Myriapoda
Tausendfüßer, Vielfüßer Diplopoda
Doppelfüßer, Doppelfüßler Polydesmidae
Bandfüsser Polydesmus spec.

meta menardi und bolitophilidae

Quellen:
Stefan Zaenker – Biospeläologie – eine Wissenschaft für Höhlenforscher
Löhr, Prescher & Zaenker – Checkliste hessischer Buckelfliegen
Wikipedia
Flyer ‚Höhlentier des Jahres‘

An dieser Stelle nochmals vielen Dank an Stefan Zaenker, der mir mit seinem Fachwissen, seiner Zeit und Geduld geholfen hat und an meine Vereinskameradin Sabrina Huber, die mich beim Aufstellen und Einsammeln der Barberfallen unterstützt hat.